Das fängt ja gut an!

Am Freitag habe ich – fast pünktlich! – den Rechner heruntergefahren. Den Arbeitsrechner wohlgemerkt! Wir beide sehen uns nämlich erst in drei Wochen wieder. Wir werden es verkraften. Ich konnte ihn relativ entspannt herunterfahren, da ich wirklich alle noch offenen Dinge erledigt hatte. Die letzten drei Tage waren dadurch ein ziemlicher Horror – aber ich bin durch. Puh!

Es folgte ein sehr entspannter Freitag Nachmittag. Und dem folgte ein sehr entspannter Abend. Für Samstag morgen hatte ich mir den Wecker gestellt. Friseurtermin! Ich will ja gut aussehen im Urlaub. Ich mach’s kurz: Ich hab’s verkackt. Eine Woche zu früh. Ich habe keine Ahnung, was mich da geritten hat, aber ich war total sicher, dass mein Termin gestern früh wäre. Man ließ Gnade vor Recht ergehen und quetschte mich irgendwie dazwischen. Anschließend fummelten zwar vier verschiedene Menschen (Herr Färben, Herr Waschen, Frau Schneiden und Frau Fönen) an meinem Kopf herum, aber das war o.k. Ich war sehr erleichtert, dass das noch geklappt hatte.

Kurz bevor ich fertig war, hörte ich Jemanden hinter mir heulen. Da saß eine blonde – eine sehr blonde! – Frau und schluchzte. Ihr Kopf sah aus, als ob ein desorientierter Vogel ein Nest auf ihrem Kopf gebaut hätte. Ich verzichte jetzt mal darauf, das ganze Elend in all seinen faszinierenden Facetten zu beschreiben. Ich habe nie zuvor so verhunztes Haar gesehen. Und ich weiß, wovon ich rede. Ich habe auch mal einen Selbstversuch unternommen, um blond zu werden. Vor etwa dreißig Jahren. Es endete mit einer schwarzen Tönung und anschließend mit einem sehr kurzen Kurzhaarschnitt. Soviel dazu.

Leider konnte ich nicht warten, um das Ende der Geschichte zu erleben. Wir hatten nämlich einen Termin. Und dieser Termin verlief sehr erfolgreich. Ich entschied mich für Faltdach und Farbe – das waren die beiden wichtigen Optionen. Wer braucht schon heizbare Außenspiegel, vegane „Leder“sitze oder 180°-Heckkameras?!

Und ich drehte eine Proberunde mit einem e-Fiat500. Will meinen: Bald wird das Puntili in Rente geschickt. Mutti hat sich verliebt. Dieser bald der Vergangenheit angehörende zweite Punto meines Lebens hat übrigens – exakt wie der erste – in seinen zehn Jahren mit mir seinen Ruhestand wirklich verdient. 160.000 Kilometer haben wir gemeinsam zurückgelegt. Für einen Benziner-Kleinwagen wirklich ordentlich. Und er hat mich nie im Stich gelassen, wenn es darauf ankam. Dank Homeoffice werden es mit seinem Nachfolger deutlich weniger Kilometer werden.

Wie heißt das dann eigentlich?! Gaspedal?! Strompedal? Egal. Immerhin kann dann ich als notorische Schleifpunkt-im-Berg-Anfahrerin (ja, ich schäme mich…) keine Kupplung mehr zerstören. Und mein linkes Bein brauche ich auch nur noch zum Aussteigen.

Zurück zum Freitag: Abends habe ich den ersten Zucchino der Saison 2021 geerntet. Und ich habe ihn zu einem Flank Steak auf maltesische Art zubereitet. Dazu gibt es dann irgendwann mal eine Anleitung. Zum eingelegten Fenchel gibt es ja schon eine. Nun aber zum Fleisch. Letzte Woche habe ich das hier gelesen: Arthurs Tochter – Rindersteak {Entrecôte Irish Beef} in asiatischer, umamibombiger Steak-Marinade. Danach war klar, was ich mit dem Flank Steak anstellen würde. Hier meine minimal angepasste Anleitung:

Astrids Steak-Marinade

Gericht: Fleischteller
Keyword: bavette, flank steak, fleisch, rind, steak

Zutaten

  • 120 ml helle Sojasauce
  • 3 EL Reisessig
  • 2 EL Erdnussöl
  • 3 TL Ingwer frisch und sehr fein gerieben
  • 1 TL Koriandersamen gemahlen
  • 1 TL Kreuzkümmel gemahlen und reichlich

Anleitung

  • Alle Zutaten kurz aufmixen. Fleisch über Nacht einlegen.

Und ich sage es sehr deutlich: Das war phänomenal! Ich hatte das Fleisch über Nacht in die Marinade gelegt und am nächsten Tag kurz und zum Äußersten entschlossen angebraten. Also in sehr, sehr heißer gusseiserner Pfanne. Anschließend ging es noch kurz in den Ofen (Tellerwärm-Programm) und dann landete es auf unseren Tellern. Butterzart. Aromatisch. Ein Traum!

Und das Beste: Vom letzten Unermessliche-Gier-Einkauf beim Waldhof lag noch ein Bavette d’Aloyau im Gemüsefach. Und das warf ich nach dem Essen gleich für gestern in eine identische Marinade. Wie heißt es doch so schön? Never change a running marinade!

Bavette ist die Schwester des Flank Steaks und wird auch als Flap Steak verkauft. Im lebenden Rind liegen die beiden nebeneinander im unteren, hinteren Bauch des Rinds. Das Bavette (Mein frankophiler Anteil möchte immer „die“ Bavette schreiben, aber mir erscheint „das“ als Bezeichnung für das Fleischstück / den Cut richtiger. Oder?) zog zum erstenmal in diese Küche ein. Ich war sehr gespannt.

Es gab den allerallerletzten Rest des Fenchelsalats dazu. Und Spitzkohl nach einem Ottolenghi-Rezept. Ich fand’s toll. Nicht toller als das Flank Steak, aber wirklich gut. Der Gatte fand es deutlich weniger spannend. Auch das kann passieren. Ich werde es mit einem Bürgermeisterstück wieder gutmachen. Das muss noch weg, bevor wir etwa 1.000 Kilometer zwischen uns und den Kühlschrank legen. Dazu irgendwann meer mehr.

2 Kommentare

  1. Liebste Manuela,
    Das klingt wieder alles so köstlich und ich danke Dir fürs vertrauensvolle Nachbasteln. Ein lieber Leser von mir war gar nicht so angetan, jetzt bin ich auf Fehlersuche und tippe auf „falsche“ Sojasauce. Vielleicht hast Du mal Zeit, den Kommentar von Stephan bei mir im Blog dahingehend zu ergänzen? Wäre auch eine kleine Ehrenrettung für mich
    Hab einen wunderschönen Urlaub und genieße die Sonne (Maltas?)

    1. Mir völlig unbegreiflich, liebe Astrid. Bei uns war es Liebe auf den ersten Biss. Und ich hatte in Ermangelung von heller Sojasauce sogar etwas weniger dunkle genommen. Vielleicht wenn die Kombination Vakuumieren plus Fleisch, das nix dagegen hält zusammen kommt? So ein Flank Steak kann das ab.
      Und: Danke =)

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