Der Vater. Es war der Vater.

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Unser Abendessen im T’Anglu, das ich bereits angekündigt habe, verlief nicht sehr zufriedenstellend. Es begann schon irgendwie falsch. Unsere Lieblingsbedienung wuselte mehr im Hintergrund herum. Dafür war für uns ein Ungar zuständig, der gerade erst auf Malta eingetroffen war. Sagen wir es mal so: Die Gastronomie war möglicherweise vorher nicht gerade sein natürlicher Lebensraum gewesen.

Er war sehr nett – aber das war es dann auch schon. In einem vollen Restaurant hätte er sich irgendwann im Laufe des Abends vermutlich in Tränen aufgelöst in einer Ecke unter der Treppe verkrochen. Bei drei besetzten Tischen ging das. Gerade so. Schon die Bestellung gestaltete sich etwas schwierig, da sein Englisch unterhalb von „nicht vorhanden“ war. Als wir irgendwann merkten, dass sein Deutsch wesentlich besser war, schwenkten wir um.

Hinzukommt, dass das Essen überhaupt nicht zu dem passte, was wir zwei Abende vorher gegessen hatten. Kein Vergleich! Die „Homemade“ Pasta war – zumindest im Fall meiner Tortellini – keinesfalls homemade. Bei des Gatten Ravioli könnte man das „Homemade“ mit viel gutem Willen geradeso durchgehen lassen.

Nach den ebenfalls enttäuschenden Desserts warf ich beim Bezahlen einen Blick in die Küche. Da war sie, die Erklärung. Der Vater unseres Kochs stand am Herd. Wenn dieses Restaurant demnächst zugrunde geht, liegt es definitiv an der unterschiedlichen Qualität des Essens an aufeinanderfolgenden Abenden. Schade.

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Am nächsten Tag ging es nach dem obligatorischen Tauchgang des Gatten an die Ramla Bay. Das Wetter ließ zum ersten Mal etwas zu wünschen übrig. Schlimm war das nicht, aber schlimm war unsere Einkehr im „Rose’s“. Hier eine ernsthafte Warnung: Nicht mal für einen Kaffee, bitte! Es gibt dort nichts, das schmeckt oder irgendwie lecker ist. Finger weg! Verhungern, verdursten – alles okay. Aber kein Kaffee im „Rose’s“! Niemals!

Als wir irgendwann Hunger bekamen, machten wir uns auf zu „Mekrens’s Bakery“ in Nadur. Dort wird noch im traditionellen Steinofen gebacken. Brot und Ftira zum Beispiel. Ftira wollten wir unbedingt probieren. Ein Brot durfte auch noch mit.

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Das Foto wurde mehr aus der Hüfte mit dem Handy geschossen. Sorry dafür. Ich habe immer noch irgendwie Hemmungen, überall wild rumzufotografieren. Die Ftira war mehr so als Mittagssnack geplant. Wir aßen davon am Ende zwei Tage lang.

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Die Dinger waren riesig. Und wir kauften zwei. Eine mit Ġbejna (gozitanischer Schafs- oder Ziegenkäse) und „local sausage“, eine mit Thunfisch, Oliven, Kapern, Tomaten. Nach jeweils zwei Stücken auf der Bank vor der Bäckerei waren wir platt. Macht ja nix. Karton zu – soweit das ging, denn die Dinger passten kaum in die riesigen Pizzakartons – und ab damit ins Auto. Wir beschlossen, zu Hause weiter zu essen. Lief ja eh gerade nicht so mit aushäusig…

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Wir schauten noch bei der „Sanctuary of Our Lady of Ta’Pinu“ vorbei. Am 22. Juni 1883 hatte dort Karmni Grima, „a peasant woman“, eine Marienerscheinung. Das hatte insgesamt etwas von Lourdes, wenn auch weniger überlaufen. In den Seitenschiffen, die übrigens mit wunderschönen maltesischen Fliesen ausgelegt sind, hingen Tausende von Babystramplern und -decken, Krücken, Dankschreiben u.ä. Es hatte schon etwas… Irgendwie…

Interessant allerdings, dass Beten und Wünschen dem Gläubigen heute wirklich erleichtert wird.

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Das passende Gebet plus Anweisung zu mehreren „Gegrüßet seist du Maria“s stand „mit oberhirtlicher Erlaubnis“ in zahlreichen Sprachen bereit. Dazu gab es eine Art Wunschzettel mit Multiple Choice. Man konnte ankreuzen, was man genau wollte und für wen man es erbittet. Falls man den Umschlag per Post senden wollte, gab es noch den dezenten Hinweis, dass nur ausreichend frankierte Petitionen zum Erfolg führen würden.

Ich habe einen mitgenommen, finde ihn aber gerade irgendwie nicht mehr…

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Von Ta’Pinu aus fuhren wir nach Victoria auf einen Kaffee und ein Eis am St. George’s Square, liefen ein bißchen durch die Stadt und machten uns schließlich auf dem Heimweg.

Ich steuerte zur Ftira noch Champignons mit getrockneten Tomaten bei. Und wir schafften die Ftirareste trotzdem nicht. Der Plan beim nächsten Gozo-Urlaub einfach am ersten Tag vier Ftiras zu besorgen, von denen man dann die komplette Woche leben könnte, nahm Gestalt an.

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Für den nächsten Tag hatte der Gatte – mit meiner ausdrücklichen Genehmigung – zwei Tauchgänge vereinbart. So liefen wir am Nachmittag einfach noch ein wenig durch Marsalforn, tranken etwas in der „Glassbox“, wo wir in den Kindergeburtstag von Ayden im Buzz-Lightyear-Kostüm platzten, aber trotzdem gut versorgt wurden, und machten uns schließlich auf den Weg in unsere Wohnung, wo wir ein exquisites Resteessen aus Selbstgeschmurgeltem und Ftira zu uns nahmen. Wer braucht schon Restaurants?!

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Und schon war unser letzter Tag angebrochen. Verdammt! Ohne Azure-Window-Visite wäre das kein Gozo-Urlaub gewesen. Also stand das zum zweiten Mal nach dem letzten Jahr auf unserem Programm. Wir wanderten anschließend noch an den Klippen entlang Richtung Norden.

Und zuletzt gab es noch Kaffee und Wein an der Inland Sea. Auch hier eine Warnung: Geht gar nicht! Finger weg! Nix essen. Nix trinken. Mega-Nepp!

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Anschließend durfte ich mir noch im Gozo Crafts Village selbst ein Geschenk machen. Ich entschied mich für „Luzzu“-farbene Schüsselchen, in die ich mich spontan verliebt hatte. Unter Augenrollen des Gatten stopfte ich meine Beute in den Rucksack. Hach!

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Den letzten Abend beschlossen wir dann im „Pulena“ zu verbringen, dem wir bereits im vergangenen Jahr recht zugetan waren. Und es enttäuschte uns nicht. Wir aßen schließlich das beste Essen in dieser Woche.

Wir saßen am Meer. Der Service war aufmerksam, aber nicht nervig. Das Essen schmeckte einfach (und) gut. Was will man mehr?!

Besonders erwähnenswert in diesem Zusammenhang war die Muschelvorspeise in Orange, die auf der Tageskarte stand. Ich werde morgen Ähnliches nachbasteln. Auch mein Schwertfisch war genial, ebenso die Pasta und die Desserts. Ein hervorragender Abschluss.

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Als wir „nach Hause“ kamen, lag ein Umschlag mit unserer Kaution unter der Tür. Wir hatten unseren Vermieter verpasst. Mist.

Achtung! Cliffhanger! Was dann passierte, was ich heute gekocht habe, was es zur gozitanischen Müllabfuhr noch zu sagen gibt, ob und wie wir zu Hause angekommen sind, und was seitdem passiert ist? Stay tuned… 😀

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2 Kommentare

  1. Ich steh ja auf Kontinuität in dieser schnellebigen Zeit. Gut zu wissen, dass sich in der Katholischen Kirche seit Luthers Zeiten nicht allzu viel veränder hat. 🙂

    1. wenn man sich auf eins in der katholischen kirche verlassen kann, dann, dass es nichts gibt, was sich nicht mit ein paar vater-unser oder gegrüßet-seist-du-maria wieder in ordnung bringen ließe. ist mir schleierhaft, wie nicht-katholiken mit ihren schuldgefühlen umgehen… ach… die haben gar keine?! blöd 😀

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