„Looks like shit.

… But saves my life.“

Da hat Minister Scheuer – meiner Meinung nach ein ganz heißer Anwärter für eine Silvestersendung mit dem Titel „Die 100 dümmsten Deutschen“ – sich ja wieder was ganz Tolles ausgedacht. Eine Fahrradhelmkampagne (FAZ-Link) mit jungen Menschen in Unterwäsche und Radhelm. Na, Mahlzeit!

Noch lustiger ein Satz aus einem weiteren FAZ-Artikel: Mehrheit der Deutschen will eine Helmpflicht für Radfahrer. Steht doch da tatsächlich folgendes: „Eindeutiger ist eine Meinungsumfrage der Analysegruppe YouGov, in der es um die generelle Helmpflicht geht: 61 Prozent der Deutschen sprechen sich demnach dafür aus. Die meisten der Befragten fahren allerdings selbst kein Rad.“ Na dann! Mein Auto fährt auch nicht viel mehr als 140 km/h. Und ich bin für ein Tempolimit. Ich schlage dem Scheuer jetzt einfach einen Tausch vor: Helmpflicht gegen Tempolimit. Ein fairer Tausch. Finde ich. Los, Andy! Schlag‘ ein!

Was meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung findet, ist die Gefahr durch Meerrettich. Eine Gefahr für Leib und Leben!

Es fing damit an, dass ich gestern das Kräuterbeet frühlingsfertig gemacht habe. Fest stand: Der Meerrettich, der im vergangenen Sommer alles rücksichtslos überwuchert und verschattet hatte, muss raus. Leichter gesagt als getan. Am Ende musste ich den Gatten zu Hilfe rufen. Das Ding bekam ich allein nicht raus.

„Das Ding“ wog – nachdem ich es von allerlei neuen Austrieben befreit hatte, immer noch etwa 2,5 Kilo! Ich hoffe wirklich, dass es jetzt restlos entfernt ist. Über die 2,5 Kilo Meerrettich musste ich erstmal eine Nacht schlafen.

Heute morgen steckte ich dann kleinere Triebe zur Nachzucht in Töpfchen und suchte im Netz nach Konservierungsmöglichkeiten. Zum Wegwerfen war das ja nun auch wirklich zu schade. Ich entschied mich schließlich für Fermentieren. Schon allein wegen der langen Haltbarkeit und des begrenzten Platzes in der Gefrierung.

Zuerst ging es ans Zerkleinern des Meerrettichs. Schon allein, die gigantische Wurzel in handliche Teile zu zerlegen, die eine Weiterverarbeitung ermöglichen würden, stellte mich vor ein veritables Problem. Selbst mit einem Brotmesser mit Sägeblatt war da nix zu wollen. Ich konzentrierte mich erstmal auf die handlicheren Stücke, wählte eine passende Trommel für meine Küchenmaschine und war begeistert über die Feinheit des Schnitts. Ich beugte mich über die Schüssel. Dass das ein Fehler war, wurde mir unmittelbar danach klar.

Meine Augen tränten, meine Schleimhäute brannten. Verdammt!!! Und jetzt schließt sich der Kreis zu Andy Scheuer. Wie gut, dass das hier ein Taucher-Haushalt ist. Ich holte meine Taucherbrille. Meine Nase lief zwar parallel wie verrückt, was für einen Beschlag der Scheiben von innen sorgte, aber ich konnte – mit kurzen Brillenspülpausen – weitermachen.

Das nächste Problem war dann allerdings die Zerkleinerung der fetten Wurzel. Und was hatte ich mich doch letzthin lustig gemacht, als ich in einem der wochenendlichen Werbeblättchen ein „Freizeitbeil“ entdeckte. What the f*** ist ein „Freizeitbeil“?!

Läuft man damit in seiner Freizeit durch die Gemarkung und zerhackt unliebsame Nachbarn?! Das kam mir alles irgendwie seltsam vor. Aaallerdings: Was hätte ich heute gegen Mittag nicht alles für ein „Freizeitbeil“ gegeben?!

Immerhin brachte mich das auf die Idee mit dem Küchenbeil.. Ich nahm es aus der Schublade, schnappte mir den Meerrettich und marschierte zu allem entschlossen mit Taucherbrille (allerdings NICHT in Unterwäsche!) in den Garten. Auf dem Rasen zerhackte ich die fette Knolle in acht ordentliche Teile. Pah! „Looks like shit. But saves my life!“ Falls mich dabei wer beobachtet hat, wird er mich in Zukunft mit Sicherheit besonders freundlich grüßen.

Ich schleppte die Beute ins Haus, schälte sie und jagte sie ebenfalls durch die Küchenmaschine. Das ergab eine riesige Schüssel fein geraspelten Meerrettichs. Dazu kamen Salz und Essig. Falls es funktioniert, gibt es das Rezept nach Ostern. Übrigens: Auch beim Abfüllen trug ich die Taucherbrille noch. Sicher ist sicher.

Falls jemand Meerrettich-Ableger braucht: Einfach melden. Anschließend rettete ich noch ein paar spätgekeimte Tomaten aus der trauerfliegenkontaminierten Anzuchterde und setzte die Chili und Auberginen von der Schwester in größere Töpfchen. Und auch die Tamarillopflänzchen durften zum Spielen raus. Sie machen einen sehr motivierten und glücklichen Eindruck.

Glücklicher als ich angesichts der Tatsache, dass das Wochenende vorbei ist und es demnächst wahrscheinlich eine Helmpflicht für Radfahrer, aber kein Tempolimit auf Autobahnen geben wird.

4 Kommentare

  1. Die Rache des Meerrettichs, wie fies. 🙁 Ich habe früher auch zum Zwiebeln schneiden immer die alte Motorradbrille meines Mannes getragen. 😀 Mit Kontaktlinsen machen mir die Zwiebeln allerdings nichts mehr aus. Wie super das funktioniert, merke ich jedes Mal, wenn ich ausnahmsweise versehentlich mit Brille Zwiebeln schneide. *heul* Allerdings bezweifle ich, dass das auch bei Deinem Werrettich helfen würde. 🙂

    Durch welches Werkzeug hast Du den fiesen Rettich gejagt? Trommelvorsatz für die KA?

    Wann müsste ich denn mit den Tomatenbabies weiteres veranstalten? Ich habe wirklich Null Plan. I-)

    LG Nessa

    1. Habe für das Vieh die feinste Reibe der KA benutzt. Das ging ganz hervorragend, wenn man davon absieht, dass man dabei nicht atmen sollte 😀 Wie sehen deine Tomatenbabies denn mittlerweile aus? Vereinzeln solltest du sie eigentlich inzwischen können. Meine sind vor einer Woche in reguläre Gartenerde und kleine Töpfchen umgezogen. Und explodieren seitdem regelrecht 🙂
      Zeig‘ mal ein Foto

  2. Ach wie erfrischend deine Einträge immer sind. Und obwohl ich für Bewunderung für dich fast platze – das Meerrettichzerkleinern überlasse ich lieber den fränkischen Profis..

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