Luxusprobleme

Ausgezeichnet gegessen haben wir vergangene Woche. Kein Wunder. Es ist Herbst. Und da gibt es plötzlich wieder all die tollen herbstlichen Lebensmittel. Priorität eins waren Muscheln. Die sind ja an sich flott gekocht, aber als ich an einem recht langen Arbeitstag aus dem Büro nach Hause zurück kehrte, stellte ich fest, dass kein Brot zum Tunken mehr da war. Verdammt! Ich setzte auf die Schnelle einen zweiten Brotversuch an – den ersten hatten wir letzthin zur Buzara. Und wieder gelang das recht gut. World Bread Day, ich bin bereit. Na, jedenfalls halbwegs.

Die Muscheln gab’s nach langer Zeit mal wieder in der Three-Chimneys-Variante („Steamed Mussels in White Wine Broth“) Fazit: Hat nach wie vor ihre Berechtigung. Und – nicht außer Acht zu lassen! – bietet für den Folgetag die absolut genialste Saucenbasis.

Dazu: Lachs und gekaufte (!) Pasta. Muss ich mich deshalb verteidigen? Ich glaube nicht. Die Pasta habe ich beim letzten Celpro-Beutezug mitgenommen, weil sie mir so gut gefiel. Und diese Form kriege ich garantiert nicht selbst hin. Der Muschelfond wurde mit einem Glas frisch eingekochter Tomatensauce aufgekocht, während der Lachs sich in der Pfanne räkelte. Abendessen in maximal einer halben Stunde. Und das trotz desorientierter Basilikumsuche bei einbrechender Dunkelheit im Tomatenbeet.

Richtig luxuriös wurde es dann donnerstags. Der Gatte brachte mir ein Geschenk mit. Von einem Kollegen, der mit seiner Frau hier schon zum Essen war. Die Frau des Kollegen hatte von ihrer rumänischen Verwandschaft massenhaft Trüffeln geschickt bekommen. Und zwei davon bekam ich. Ich war glücklich.

Zwei Abende lang recherchierte und grübelte ich, was damit anzustellen sei. Das Geschenk will ja klug investiert sein. Am Ende landete ich innerlich bei Pasta. Und da ich am gleichen Tag Pfifferlinge beim Einkaufen erwischt hatte, würde ich beides kombinieren. Der Plan stand!

Ich entschied mich für den Pastateig mit Ei und eine runde Form. Das geht natürlich auch anders. Was Nudelformen angeht, sind der Phantasie ja prinzipiell keine Grenzen gesetzt. Fast so grenzenlos wie die Phantasien über mögliche Regierungskoalitionen. Das nur mal zum Thema „Wahl“. Ich wollte es wenigstens mal erwähnt haben. Und ich schreibe hier jetzt auch besonders flott, damit dieses Blogpost nicht von den ersten Hochrechnungen eingeholt wird.

Ravioli mit Pfifferlingen und Trüffel

Gericht: Pastateller
Land & Region: Italienisch
Keyword: pasta, pfifferlinge, pilze, trüffel
Portionen: 2 Portionen

Zutaten

für die Pasta:

  • 200 g Weizenmehl Tipo 00
  • 2 Eier
  • 1 Prise Salz

für die Füllung:

  • 120 g Pfifferlinge
  • etwas frischer Trüffel gehobelt
  • Butter
  • 1 Schalotte fein gewürfelt
  • 125 g Ricotta
  • 3 EL Parmesan frisch fein gerieben
  • etwas Blattpetersilie fein gehackt
  • Pfeffer, Salz

für die Sauce:

  • 1 Stich Butter ruhig etwas großzügig sein
  • etwas frischer Trüffel gehobelt
  • 40 g Pfifferlinge gewürfelt
  • 1 Schalotte
  • 200 ml trockener Weißwein
  • 150 ml Sahne
  • Pfeffer, Salz

zum Anrichten:

  • frischer Trüffel gehobelt – Menge nach Geschmack
  • Pfifferlinge die schönsten, kleinen Exemplare aussortiert und gleich zu Anfang beiseite gelegt
  • Petersilie gehackt
  • Butter

Anleitung

Zuerst die Pasta…

  • Pastateig herstellen. Für mindestens eine halbe Stunde kühl lagern.

… dann die Füllung

  • Vorab: Ich hatte 200 g Pfifferlinge. Die wollen jetzt wohl verteilt werden. Also zuerst natürlich gebürstet und geputzt. Dann die schönsten, kleineren Exemplare auswählen und fürs Topping beiseite legen. Vom Rest noch ein paar – gern auch die hässlichen, denn die werden eh püriert – für die Sauce abnehmen und beiseite stellen. Die restlichen Pfifferlinge – also den größten Teil der Gesamtmenge! – sehr fein würfeln. Also wirklich SEHR fein.
  • Schalotte ebenfalls sehr fein würfeln. Petersilie fein hacken. Parmesan reiben. Eine kleine Menge Trüffel hobeln (so drei, vier Scheibchen).
  • Butter auslassen und Schalotten- und Pfifferlingswürfelchen darin anschwitzen. Keine Farbe nehmen lassen. Trüffel zugeben und ebenfalls kurz mit anschwitzen.
  • In einer Schüssel mit dem Ricotta, dem Parmesan und der Petersilie mischen. Pfeffern und salzen. Kühl stellen.

Nun die Sauce ansetzen…

  • Butter auslassen und zuerst die hübschen Pfifferlinge für die Deko darin anbraten. Herausnehmen, salzen, pfeffern, mit Petersilie bestreuen und warm halten.
  • In den gleichen Topf nun die "Saucen-Pfifferlinge" und die Schalottenwürfel geben und kurz und kräftig anschwitzen. Nicht bräunen. Hitze etwas reduzieren und Trüffel zugeben. Ebenfalls etwas in der Butter ziehen lassen.
  • Mit dem Weißwein ablöschen und etwa auf ein Drittel einreduzieren lassen.
  • Sahne zugeben und kurz aufkochen. Alles pürieren. Bis zur gewünschten Konsistenz sanft köcheln lassen. Abschmecken.

… und die Pasta füllen.

  • Pastateig dünn auswalzen. Mit einem Vorspeisenring Kreise ausstechen, mit der Füllung und einem weiteren Teigkreis belegen und mit einer Kuchengabel rundum andrücken. Ravioli auf Semolina zwischenlagern.
  • Ravioli in siedendem Salzwasser garziehen lassen.

Endmontage!

  • Sauce in tiefe Pastateller geben. Ravioli auflegen. Die angebratenen Pfifferlinge darauf verteilen und Trüffel drüber hobeln. Genießen!

Wie gesagt: Ausgezeichnet. Definitive Nachkochempfehlung. Heute gibt’s dann nochmal vom restlichen Pastateig Tagliatelle und wieder Trüffel dazu. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Und vielleicht macht es auch den Wahlausgang erträglicher.

Blog-Event CLXXIX - Leckeres für die Herbstzeit (Einsendeschluss 15. Oktober 2021)

Uuund – was ich total vergessen habe: Ich reiche diese ausgesprochen köstliche Pasta auch noch bei Zorra zu Carolines (Linals Backhimmel) Blogevent „Leckeres für die Herbstzeit“ ein. Nehmt dies!

Immerhin mein erstes herbstliches Gericht in diesem Jahr. Und da kommt ja auch gerade etwas Freude auf. Schmorgerichte… Linseneintopf… Hühnersuppe… Yeah! Geht los!

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