„Römer! Mitbürger! Freunde!

Hört mich meine Sache führen und seid still, damit ihr hören möget. Glaubt mir um meiner Ehre willen und hegt Achtung vor meiner Ehre, damit ihr glauben mögt. Richtet mich nach eurer Weisheit und weckt eure Sinne, um desto besser urteilen zu können.“ William Shakespeare – „Julius Caesar“

Nach der Arbeit des heutigen Tages muss ich nun doch einmal die Bedeutung des Wortes „Bauherrin“ hinterfragen. Heute war ich jedenfalls nur eine niedere Bausklavin. Vielleicht sogar weniger als das. Und dem Bauherrn ging es nicht besser.

Während er die Decke des großen Badezimmers mit Kreidezeit-Sumpfkalkfarbe anlegte, kam ich auf die wahnwitzige Idee, endlich mal mit den Resten des Sto-Strukturputzes den Technikraum zu vollenden. Tolle Idee…

Im Prinzip war es wie eine Runde „Heißer Draht“. Überall liegen mittlerweile Rohre, Leitungen, Kabelkanäle u.ä., um die herum man ein wenig mit der kleinen Farbwalze rollen kann. Der Hauptteil der Arbeit bestand allerdings darin, mit einem Pinsel Strukturputz-Imitationen hinter die Hindernisse zu tupfen. Wenn bei jedem Berühren ein Signal ertönt wäre, hätte ich wahrscheinlich nach einer halben Stunde entnervt aufgegeben.

Einzig positiver Effekt: Ich lernte, dass das Wort „Putzcharakter“ aus des Bauherren Mund weder eine Beleidigung, noch eine Beschreibung meiner hausfraulichen Fähigkeiten darstellt. Hätte mich auch gewundert. Man kann mir ja viel nachsagen, aber dass ich ein ausgesprochener Putzcharakter bin… Wirklich nicht!

Die Arbeit selbst war langweilig, nervig und anstrengend. Und dauerte ca. doppelt so lange, wie ich vorher vermutet hatte. Dafür sah es dann aber hinterher auch nur halb so toll aus, wie ich verdient gehabt hätte. Gut, dass wir nur einen einzigen Technikraum im Haus haben.

Nach der Streicherei ging es dann an die Schlepperei. Und das war nicht besser. Eher im Gegenteil. Um nicht stundenlang mit öden Beschreibungen zu nerven: Das OG ist leer. Komplett leer. Alle Kisten – und vor allem alle Bücher – stehen zu einem monströsen Berg aufgestapelt im Würfel.

Dazwischen ist eine Art Labyrinth entstanden, damit der Elektriker noch an seine dämlichen Steckdosen kommt.

Um 16:30 Uhr legten wir eine Kaffeepause beim örtlichen Bäcker ein. Herrlich, kurz in der Sonne zu sitzen und sich nicht bewegen zu müssen. Leider hielt die Entspannung nur kurz vor. Zum krönenden Abschluss des Tages kroch ich noch mit einem Putzeimer auf das Luftraumgerüst und putzte das Fenster und den Rahmen so gut das eben flach auf dem Bauch liegend möglich war. Wirklich ganz blöd, aber formt wahrscheinlich den Charakter. Besonders den „Putzcharakter“.

Nein, heute war wirklich nichts von „Bauherrlichkeit“ zu spüren. Im Prinzip sind wir einfach nur die Deppen für die Drecksarbeiten. In meinem nächsten Leben werde ich jedenfalls Handwerker. Dann kann ich immer vor der Haustür parken, kommen und gehen, wann ich will, und für jeden Mist horrende Aufschläge verlangen. Das würde mir gefallen.

2 Kommentare

  1. Selber schuld, würde jetzt mein Opi, Gott habe mit seiner Seele immer noch erbarmen, sagen. Hätteste doch nen „anständigen“ Beruf erlernt. Wärste z.B. Bäcker geworden. Bräuchtest nachts nicht zu schlafen und am tag nicht zu arbeiten. Wäre doch auch was. 😉
    Jedenfalls stimmt deine „Handwerkerlogik“ nur zum Teil. Nicht überall kann und darf auch ein Handwerker parken. Jedenfalls war das in Freiburg so. Trotz Handwerkerschild im Auto. Und das grosse Geld verdient nicht der „Neger am Bau, sondern der Depp dem die Firma vielleicht gehört. Pünktlichkeit ist eh ne Zierde des kleinen Mannes. Und da ich mit 1,90 Metern eher zur anderen Grössengattung mich zählen darf, war jene Pünktlichkeit für mich nie ein Thema. ,-)
    hat Spass gemacht hier wieder mal was lesen zu können.
    Wünsche euch weiterhin soviel Spass und Humor. 😉

    LG rolf

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