Samedi: Kunst und Türmchen

Samstag war unser einziger kompletter Tag. Logischerweise stopften wir ihn wieder voll mit Programm. Morgens – nach dem wirklich für französische Verhältnisse reichhaltigen Petit Déjeuner – machten wir uns zeitig auf die Socken, um dem Massenansturm am Louvre zuvorzukommen. Klappte auch einigermaßen. Die ersten Reisebusse voller Asiaten waren zwar bereits vorgefahren, aber der Andrang hielt sich noch in überschaubaren Grenzen.

Wir lernten, dass im Louvre Menschen in zwei Kategorien eingeteilt wurden: „avec sac“ und „sans sac“. Da wir mit reichlich Fotoequipment unterwegs waren, gehörten wir zur ersten Kategorie. Wir lernten im Verlaufe des Tages allerdings noch einiges mehr. Zum Beispiel, dass Babe Ruth keineswegs der erste Power Hitter der Baseballgeschichte war.

Oder dass man böse Menschen auf den ersten Blick erkennen kann. Oder dass „La Liberté“ einen deutlich ansprechenderen Lebensstil hat als „La Charité“.

Oder auch dass man sich den Anblick von Mona Lisa definitiv sparen kann. Das Gedränge wurde plötzlich ziemlich groß. Und ein auf drei Meter abgesperrtes, von zwei Sicherheitsleuten bewachtes Gemälde hinter einer spiegelnden Glasscheibe ist Wartezeiten zwischen schubsenden und fotografierenden Menschen definitiv nicht wert.

Gelernt haben wir auch, dass man sich gegenseitig vor allem möglichen fotografieren kann. Wir habn es gelassen. Sympathisch allerdings das indische Paar zwischen den römischen Skulpturen.

Einen ähnlichen Auflauf wie bei der Mona Lisa gabe es dann nochmal wegen der Venus von Milo. Mit Mühe gelangen mir einige wenige Fotos, bei denen nicht gerade Spanier oder Chinesen ins Bild sprangen, die sich gegenseitig mit Handies oder brandneuen Spiegelreflexkameras davor aufnahmen.

Faszinierend auch das Gebäude. Man könnte sicher Wochen darin verbringen ohne sich auch nur eine Minute zu langweilen. Allein mit architektonischen Details, den kunstvollen Decken und den Treppenauf- und -abgängen hätte ich mich Stunden um Stunden beschäftigen können. Wir rissen uns dann doch noch vom Louvre los, als das Besucheraufkommen erschreckende Ausmaße annahm. Man muss allerdings feststellen, dass es in derart großzügigen Räumlichkeiten selbst bei extremem Andrang noch auszuhalten ist. Das gilt im übrigen auch für die ganze Stadt. In den riesigen Parks und auf den breiten Boulevards verläuft sich das doch auf sehr angenehme Weise. London fand ich persönlich in vieler Hinsicht deutlich „enger“.

Vom Louvre aus marschierten wir durch die Tuileries Richtung Arc de Triomphe. Hugo wollte natürlich nach bester Touristenmanier davor fotografiert werden. Wenn es den Herren glücklich macht… Bitte sehr!

Das gleiche Spiel hatten wir dann nochmal am Eiffelturm. Nun denn… Der Bauherr und Hugo wären auch gerne hinaufgefahren, aber die Schlange war – mal wieder – zu lang. Zudem weigerte ich mich standhaft. Sorry, aber das ist nichts für mich. Ich bekomme schon Schweißhände, wenn ich nur darüber schreibe.

In der Nähe des Eiffelturms fanden wir dann schließlich einen Inder, der uns vorzüglich bewirtete. Alle in Paris ansässigen Italiener hatten sich offensichtlich für den gesamten August in die Heimat aufgemacht und ihre Läden geschlossen.

Gestärkt begaben wir uns schließlich zum Tour Montparnasse, den man laut Reiseführer zwingend hinauffahren sollte, weil sein Dach der einzige Ort in der Stadt ist, von dem aus man ihn selbst nicht sehen muss. Gesagt, getan. Aufzug fahren schaffe ich gerade noch so. Von oben hatte man einen herrlichen Blick über die gesamte Stadt. Glücklicherweise waren wir oben, bevor das Wetter schlechter wurde und man im Nieselregen am Ende nicht mal mehr den Eiffelturm sehen konnte. Vorher machte ich allerdings ein paar Fotos.

Und nachher fuhren wir ins Hotel zurück. Schade, dass uns niemand Kilometergeld gezahlt hat. Das hätte sich gelohnt.

2 Kommentare

  1. Typisch „deutsche“ Touristen. Fahren nach Paris, meckern das die Italiener nicht auf haben, um am Ende beim Inder wahrscheinlich auch noch „Schnitzel“ mit Pomes und Salat zu essen. 😉 Mädel. In
    Paris geniesst man das dortige Essen. Und nicht etwa die „Touristenpampe“, sondern in kleinen Gassen , oder kleinen Bistroläden. Einfach nur lecker kann ich nur sagen. 😉

    LG rolf

    1. oh. ich vergaß wohl zu erwähnen, dass natürlich im august auch alle franzosen, die es sich irgendwie leisten können, NICHT in paris sind. „dortiges essen“ zu finden war noch schwieriger – wir
      haben es trotzdem am ersten tag geschafft. „ma salle à manger“ war nett und weder italienisch noch indisch 😀

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