Jean Pütz hätte es in seiner Hobbythek nicht besser vormachen können. Wir haben heute Sensationelles im Bereich der Außenanlagen geleistet. Von den 20.000 Euronen, die der Wolfitekt angesetzt hatte, haben wir für die Verwirklichung unseres Gartentraums ganze zehn Euro gebraucht. Und auf die dafür erworbene Schaufel hätten wir notfalls auch verzichten können.
Nein, Rolf, wir haben auf dem Friedhof keine Blümchen geklaut, um sie Mutti zu Ostern zu schenken. Wir haben zwei Tuja-Pflanzen, die vom ehemaligen Besitzer auf den Kompost geworfen worden waren, nach Hause geschleppt. Wir haben ihnen quasi das Leben gerettet. Man könnte auch sagen: Wir haben Ihnen geholfen, eine Art österlicher Wiederauferstehung zu durchleben. Und heute haben wir sie eingepflanzt. Fertig ist die Gartenplanung!
Wir rechnen fest damit, demnächst auf ein paar Seiten in „Mein schöner Garten“ besprochen zu werden. Ich sehe den Text bereits vor Augen:
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„So viele Ideen, aber so wenig Platz – in kleinen Gärten finden sich auf wenigen Quadratmetern häufig umso mehr Pflanzen und Dekoration. Verständlich, doch aus gestalterischer Sicht ein Fauxpas, denn eine kleinteilige Gartengestaltung lässt den ohnehin begrenzten Raum noch enger wirken.
In einem nach römischen Vorbild angelegten Garten wie dem der Familie Flax aus dem herrlichen und vegetationsreichen Rheingau-Taunus-Kreis gelingt es in hervorragender Weise, vom begrenzten Raumangebot durch die symmetrische Gestaltung und die klare Linienführung abzulenken: Die beiden Lebensbäume lenken den Blick über die Terrasse zum Baumüllhaufen. Die in ihrer Gestaltung an den Limes angelehnten Schotterwallanlagen verstärken diesen ‚Tunnelblick‘ noch, der Garten gewinnt an Tiefe.
Die Tuja-Pflanzen haben aber noch eine zweite Funktion: Sie verstellen den Blick auf den dahinter liegenden Sitzplatz der Bauherrin auf einer Gerüstquerstange. Dadurch wird ein neuer Gartenraum geschaffen und die Neugierde des Betrachters geweckt, was sich wohl dahinter verbergen mag. Auch die zweite Sichtachse, also die gedachte Linie, welche die beiden Hausecken links und rechts der Bepflanzung verbindet, wird durch das Baumüllrondell unterbrochen. Schaumglasschotter und Aushubreste wirken als Bodenbelag großzügig und elegant.
Die beiden leeren, wie zufällig platzierten ‚Krombacher-alkoholfrei‘-Flaschen an der Terrassentür (sichtbar aus dieser Perspektive -> Klick!) unterstützen nicht nur die Symmetrie der Gartenanlage, sie erschließen zudem neuen Raum auf der Fensterbank und verleihen dem gesamten Arrangement ein sommerlich-leichtes Flair.“

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Jetzt haben wir fast ein wenig Hemmungen, die zwei weiteren, im Mainzer Innenhof noch auf ihren Einsatz wartenden Tuja-Pflanzen und die drei Buchskugeln ebenfalls zu pflanzen. Möglicherweise wirkt die eigentlich perfekte Anlage dann überladen und protzig. Wir werden noch einmal darüber nachdenken müssen…
Außer stundenlang kichernd in der Sonne sitzend unseren Pflanzerfolg zu bestaunen, konnten wir uns anschließend zumindest noch dazu aufraffen, im gesamten Erdgeschoss die Bewehrungsstreifen aufzukleben. Spart morgen Lubor vielleicht ein wenig Zeit. Beim Verlassen des Hauses wunderte ich mich zum wiederholten Male darüber, dass ein Ziegel direkt vor der Tür lag. Diesmal hob ich ihn hoch. Darunter fanden sich überraschenderweise zwei Kataloge des Elektrikers. Er war also anscheinend irgendwann da gewesen, hatte das Prospektmaterial abgelegt und war wieder verschwunden.
Bei einer kurzen Durchsicht stellten wir fest, dass unsere Berkers dreimal soviel kosten wie das Standardmodell. Im ebenfalls vorgefundenen Busch-Jaeger-Katalog lagen einige recht hübsche Schalter auch deutlich unter unserem Wunsch-Modell-Preis. Andererseits haben wir natürlich enorm viel Geld bei der Gartenplanung gespart, wenn wir alles so lassen, wie es jetzt ist.    

Eigentlich gibt es wenig zu berichten. Deshalb berichte ich auch wenig. Außer zweimaligem Lüften ruhte heute der Baubetrieb. Gegen Mittag brachen wir zum Haus auf – der Bauherr mit dem Rad, der bauherrschaftliche Kronprinz et moi mit dem Auto.
Nach dem ersten Lüften ging es auf die A3 zum Familien-Osterfest. Fazit des Tages: Tapeten sind der Hammer und können Räume total verändern. Ich bin immer noch völlig platt ob des Effekts. Wahnsinn!
Nach Grillen, Tujas aus dem Friedhofskompost fischen und Kaffee trinken ging es zurück zum zweiten Lüften und anschließend nach Hause.
Spätestens jetzt wird jeder einsehen: Es gibt keine Bauneuigkeiten und somit auch keinen Baublog am heutigen Tag. So ist das nun mal. Dafür bearbeite ich jetzt noch ein paar Fotos. Und das war es dann. Ich hoffe, alle hatten ein ähnlich angenehmes Osterfest wie wir.

Vom morgendlichen Baumarkt-Shopping brachte mir der Bauherr ein ganz besonderes Geschenk mit: grünes Feuchtraum-Uniflott! Da war die Freude groß…
Das war aber noch nicht alles. Er schleppte gleich sackweise des grünen Uniflotts weißen Bruder an. Desweiteren einige Säcke PCI nanolight und nanofug in verschiedenen Grautönen. Die Vorbereitungen für Lubors Großangriff auf unsere Wände und Böden sind also erledigt.
So langsam wird es auch Zeit, dass jemand sich der Spachtelsache annimmt, der etwas davon versteht. Nachdem es gestern in der Ankleide ja etwas besser gelaufen ist, war der heutige kotzgrüne Einsatz im großen Bad wieder ein echter mentaler Tiefschlag.
Zuerst allerdings verpasste ich der Ankleide einen zweiten Spachtelgang, der auch einigermaßen anständig verlief. Vielleicht denkt man das aber auch nur, weil in den Raum ja kein Tageslicht fällt, das die ganze Abscheulichkeit meines Tuns offenbaren könnte. Wie auch immer – ich war einigermaßen zufrieden.
Beim Anrühren meines OP-grünen Schwabbelfreundes unterlief mir dann allerdings gleich wieder der Anfängerfehler von vorgestern: Der Kram war zu flüssig. Davon ließ ich mich natürlich nicht beeindrucken. Fest wird es schließlich von selbst. Dachte ich. Falsch gedacht. Nach einer Weile schwabbelte ich halt die Wand damit ein, weil ich keine Lust mehr hatte, noch länger zu warten, und mich nicht traute, einfach noch mehr Pulver in die Pampe zu rühren.
Während des Spachtelns wurde es dann auch ein wenig zäher, aber ideal war es nicht. Wahnsinnig viel war es gottlob aber auch nicht. Für eine der kurzen Wände, ein Stück der langen Fensterwand und die gesamten Schraubenlöcher des Badezimmers reichte es trotzdem. Die große Enttäuschung: Nach dem Trocknen wird es fast wieder weiß! Aber im Prinzip ist das ja alles nicht weiter schlimm, denn keines Menschen Auge wird meine Schande je erblicken, da ja das Bad komplett gefliest werden wird.
Da uns durch die Terrassenpausen der vergangenen Schönwettertage
das alkoholfreie Bier ausgegangen war, musste noch für Nachschub gesorgt werden. Wir besorgten gleich noch ein paar essbare Dinge und hielten ein Picknick hinter dem Haus in der Sonne ab. Und das Beste: Von dort aus sah man meine Spachtelnähte nicht.
Nach ein paar Tagen talentfreien Schaffensrausches habe ich für mich beschlossen, dass es endgültig an der Zeit ist, es aufzugeben, und mich fortan Dingen zuzuwenden, die weniger am Ego kratzen. Es gibt ja auch Tätigkeiten, die mir deutlich besser liegen und deren Ergebnisse sich wirklich sehen lassen können. Spachtel, Eimer und Pinsel auswaschen zum Beispiel. Oder auch lüften. Darin bin ich echt gut. Ich kann sogar stoßlüften. Hey! Das Leben ist schön! Und wie wir alle wissen, ist am Ende des Lichts immer ein Tunnel.

On your knees a reassurance
buy some time and come back for it“

Und ich hab’s doch nochmal versucht. So als ultimative persönliche Karfreitags-Passionsgeschichte. Die Ankleide war mein Ziel (oder sollte ich „Opfer“ sagen?) – und das Ergebnis? Es war nicht die schönste Spachtelei aller Zeiten, aber auch deutlich weniger unansehnlich als gestern.
„Patience is like bread I say
I ran out of that yesterday“
– The Lemonheads
Na also! Geht doch! Fotos von meinem unprofessionellen Gips-Gemetzel gibt es wieder in „Spachteleien“. Vielleicht kann man es doch lernen. Wahrscheinlich muss man aber ein paar Einfamilienhäuser spachteln, bis es flüssig von der Hand bzw. der Kelle geht. Ich glaube nicht, dass meine Geduld da ausreicht.
Ganz wichtig ist auch die Uniflott-Konsistenz. Ich glaube, gestern war es anfangs einfach nicht fest genug. Nachdem die Ankleide einigermaßen fertig war (erster Durchgang) und trocknen musste, spachtelten wir mit der restlichen Masse gleich mal alle Wolf&Wolf-Löcher zu. Ein paar falsch ausgeschnittene Steckdosen befanden sich immer noch im OG. Die sind jetzt immerhin auch endlich mal verschwunden und nicht länger als stumme Ankläger verwolften Trockenbau-Pfuschs über alle Zimmer verteilt.
Der Bauherr ist mittlerweile zu einem manischen Schraubenloch-Zuspachtler mutiert und hinterlässt bei seinen Gängen durchs Haus eine Spur von verspachtelten Schrauben. Dabei ging dann auch die restliche Spachtelmasse des zweiten Eimers drauf.
Zum Verkleben der Bewehrungsstreifen im großen Bad reichte unsere Motivation noch, dann war es 17:30 Uhr, die Sonne schien, wir tranken ein alkoholfreies Bier (diesmal sogar in einem Wassereimer vorausschauenderweise gut gekühlt) auf unserer imaginären Terrasse und beschlossen, dass es morgen weitergehen würde.
Der Bauherr schwang sich aufs Rad, um noch eine Taunusrunde zu fahren. Ich bestieg den Fiat, um mich an liegengebliebene Hausarbeiten und an die Herstellung eines Kuchens für die Baseball-BuLi-Saisoneröffnung morgen zu machen. Endlich wieder Arbeiten, denen ich mich gewachsen fühle! 

„I decree today that life
Is simply taking and not giving
Uniflott is mine – it owes me a living
But ask me why, and I’ll spit in your eye
Oh, ask me why, and I’ll spit in your eye
But we cannot cling to the old dreams anymore
No, we cannot cling to those dreams…“
Zeit, es einzusehen: Ich werde niemals spachteln können. Diese Tatsache hat mich heute in eine echte Lebenskrise gestürzt. Na ja… Fast jedenfalls… Am Ende empfand der Bauherr Mitleid mit mir. Selbst Knauf Kurt, der rollenweise bereit liegt, um in die Ecken gedrückt zu werden, empfand wahrscheinlich Mitleid mit mir. Diese Spachtelei kostet mich definitiv den letzten Nerv.
„… Does the body rule the mind
Or does the mind rule the body?
I don´t know… „

Mit Willenskraft allein war das jedenfalls nicht zu bewältigen. Erst habe ich mein „Werk“ von gestern angeschliffen, um dann die zweite Spachtelschicht aufzubringen. Klingt theoretisch gut, sieht aber am Ende nicht gut aus. Jedenfalls nicht bei mir. Mmmhhh…
Trotzdem spachtelte ich stur, aber zunehmend übellauniger vor mich hin. Um es ohne langatmiges Gejammer auf den Punkt zu bringen: Der Spachtel und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Kreisi! Stichi! Das Cuttermesser! Alles gute Kumpels inzwischen, aber mit diesem dämlichen Spachtelkram kann ich nichts anfangen. Ich gebe es auf. Für immer. Versprochen!
„… Ask me why, and I’ll die
Oh, ask me why, and I’ll die
And if you must, go to work – tomorrow
Well, if I were you I really wouldn’t bother
For there are brighter sides to life
And I should know, because I’ve seen them
But not very often …

Der Bauherr hatte sich mittlerweile in seinen Würfel verabschiedet, wo er begann, alle Schraubenlöcher zu verspachteln. Angesichts meiner Unfähigkeit, ordentliche Übergänge zwischen den Platten hinzubekommen, wird der Rest der Arbeit bis Dienstag auf Lubor warten müssen. Die Idee – das Verspachteln der Schrauben – ist natürlich nicht schlecht. Das kann sogar ich.
„It just wasn’t like the old days anymore
No, it wasn’t like those days
Am I still ill?
Oh …
Oh, am I still ill?
Oh …“
– The Smiths
Nachdem ich das eingesehen hatte, anschließend noch ein bißchen den Bauherrn genervt, etwas Trennfix an die Balken geklebt, ein Brötchen gegessen und einen Kaffee getrunken hatte, beschloss ich, dass es sinnvoller wäre, den Arbeitstag zu beenden. Der Bauherr meinte sogleich, dass das wirklich eine ausgezeichnete Idee sei. Ich solle ruhig Feierabend machen und nach Hause fahren. Da wollte ich ihm natürlich ungern widersprechen *whistle*
Bevor ich aufbrach, stellten wir fest, das verschiedene neue Beschriftungen auf den GKBs sind. Eine kryptischer als die andere. Wer oder was zum Teufel ist die „Rotfus nibbel AG“?! Eine Art Trockenbaumafia, die unschuldige Bauherrinnen in den Wahnsinn treiben will? Ist das alles eine Verschwörung? Und was will uns „instrukcia obskur“ (s.o.) sagen? Dass der Elektriker nicht weiß, was wir von ihm wollen? Das würde einiges erklären.

Nachtrag von 20:41 Uhr: Zumindest ein Rätsel wurde heute noch gelöst. Der Tag ist nicht ganz verloren! Der Bauherr hat es ergooglet. Das hier -> Klick! scheint wohl mit „rotfus nibbel ag“ gemeint zu sein. Doch keine kriminelle Vereinigung. Puh! Glück gehabt!