Sonne auf Sandstein. Und Meer.

Am nächsten Tag stand bei perfektem Fotowetter wieder eine unserer alljährlichen Lieblingswanderungen an: Von Xatt l-Aħmar zum Mġarr ix-Xini – vorbei an den tollen Sandsteinformationen. Wir stellten das Auto am Taucherparkplatz ab und liefen erstmal ein Stück zurück zum eigentlichen Xatt l-Aħmar, dieser wunderbaren, kleinen Bucht direkt unterhalb des Fort Chambray.

Als wir eintrafen, war es doch sehr bewölkt und regnete gar kurz ansatzweise. Gleich darauf bewährten sich die Wolken allerdings als Hintergrund für zahllose Fotos. Nachdem die Sonne wieder auf den Sandstein schien und ihn leuchten ließ, passten sie perfekt.

Von Xatt l-Aħmar ging es wie immer an der Küste entlang bis zum Xini Watchtower und dann vergab in die Bucht. Einen Wein, ein Cisk und eine geteilte Portion Marinated Sardines on Garlic Toast später stiegen wir gestärkt und entspannt wieder auf und gingen den gleichen Weg zurück.

Und um das hier jetzt noch auf die Spitze zu treiben, folgt noch ein wenig Sandsteineskalation. Tadaaaah! Nehmt dies!

Das Abendessen fiel schließlich aus. Wir hatten die wunderbaren Sardinen in Mġarr ix-Xini gehabt – und Massen von Brot im Haus dank meiner unermüdlichen Versuche, das perfekte Ħobż herzustellen.

Abends fand der Gatte eine neue Wandermöglichkeit, die uns von Dwejra zu den Mushrooms bringen würde. Wir waren letztes Jahr schon dort – allerdings von der anderen Seite aus. Und das Wetter war auch nicht optimal gewesen. Ich träumte seitdem von der pilzförmigen Steinformation mit strahlend blauem Himmel und noch blauerem Meer dahinter. Und es war der perfekte Tag, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir stiegen an der Inland Sea auf und liefen immer an der Küste entlang – uuund: Wir nahmen nicht wieder den Weg, auf dem ich beim letztenmal total entnervt aufgegeben hatte, sondern hielten uns rechts davon. An einer Bucht machten wir kurz Pause und tranken Wasser. Bis dahin lief alles, wie es laufen sollte.

Ich machte noch ein paar Fotos.

Das Foto unten rechts war das letzte bevor mein Display zu blinken begann und eine Akkuladung forderte. Neiiiiiin!!! Nicht jetzt!!! Wir waren kurz vor dem Ziel – und meine Kameraakkus waren leer. Ich war fassungslos ob meiner eigenen Blödheit. So musste sich Armin Laschet gefühlt haben, nachdem er an der Ahr dumm gelacht hatte und dabei gefilmt wurde.

Hinter der nächsten Ecke warteten die Mushrooms auf mich, das Wetter war perfekt – und ich konnte keine Fotos machen! Kurz versuchte ich, mich mit der ja immerhin noch funktionierenden Handykamera zu trösten. Die sind ja auch mittlerweile viel besser als früher. Blablabla. Und ganz tief in mir tobte derweil ein Orkan der Verzweiflung. Ich gottverdammte Idiotin!

Wir kamen an. Die Pilze wirkten fantastisch. Ein Handyfoto, noch eins. Dann begann ich meinen Rucksack zu durchwühlen. Eine Powerbank! Voll! Ein Ladekabel! Vielleicht kann man die Kamera direkt laden? Und dann fand ich noch etwas. Ganz unten. Ich hatte vergessen, es auszupacken – und da war es: Mein Akku-Ladegerät! Mit passendem Kabel für die Powerbank! Unfassbar!

Während die Akkus etwas Saft zogen, fotografierte ich sie dabei mit dem Handy. Was für ein Glück im Unglück! Nach einer Weile reichte die Ladung dann wieder für Mushroom-Fotos. Und für ein paar weitere Bilder auf dem Rückweg über San Lawrenz. Puh! Schwein gehabt!

Diese Wanderung war wirklich eine der schönsten, die wir bislang unternommen haben – vom emotionalen Auf und Ab mal abgesehen, aber dafür konnte die Strecke ja nichts. Das ist wirklich eine Strecke mit herrlichen Ausblicken und Fotomotiven; dabei sehr vielfältig. Und auf guten, markierten Wegen. Am Ende hatte ich 17.500 Schritte auf meiner Uhr. Aber das war jeden Schritt wert gewesen. Sehr empfehlenswert.

Abends ging es nochmals ins Otter’s, weil “naheliegend und schmeckt”. Wir hatten einen Tisch am Meer mit Blick in die Bucht von Marsalforn. Es gab Salmon and Shalotte Patties, für den Gatten eine Pizza Gozitana und für mich eine De-boned Quail with fresh Cranberry Sauce. Was für ein Leben!

Der nächste Tag verlief relativ ereignislos. Der Gatte hatte – angesichts des prognostizierten Unwetters im Mittelmeerraum – zwei Tauchgänge auf dem Programm. Ich las, bearbeitete Fotos und trank Kaffee auf dem Balkon. Urlaub halt. Ein Entspannungstag. Zumindest für mich. Überflüssig zu erwähnen, dass ich zwischendurch immer am Ħobż bastelte.

Abends liefen wir noch eine Weile durch die Bucht von Marsalforn und ließen uns am Ende vor dem Piùtrentanove nieder. Und es gab immer noch die beste Pizza von Marsalforn – einmal Diavola, einmal Quattro Formaggi. Und hinterher spendierte der Gatte einen Cocktail, den er auf der Karte gesehen hatte: Limoncello Spritz. Wieso war ich da noch nicht selbst drauf gekommen?! Limoncello mit Prosecco – so einfach kann es sein. Ich teste es zu Hause mit meinem selbstgemachten Limoncello.

Am nächsten Tag zog das Unwetter herauf. Morgens war noch ein Tauchgang möglich. Immer noch mit guter Sicht. Ich spielte derweil erneut an einem Ħobż herum. Nachmittags bezog es sich dann bedrohlich. Wir beschlossen, dass dies der perfekte Augenblick für Einkäufe war. Zumal wir noch nicht auf Ta’Mena gewesen waren. Und das war eigentlich obligatorisch.

Und es war wie immer: Wir unterhielten uns eine ganze Weile und bekamen nicht so erfreuliche Neuigkeiten erzählt. Anschließend gab es zu unseren Einkäufen – neues Olivenöl, Kunserva ħelwa (süß) und mielħa (salzig), getrocknete Tomaten, Oliven, Ġbejniet, Eier, Wein – noch ein paar Geschenke. Wir wünschten uns frohe Weihnachten und verabschiedeten uns bis zum kommenden Jahr. Wer auf Gozo ist: Auf Ta’Mena gibt es nichts, das nicht schmeckt. Und die Spiteris sind wundervolle Menschen. Unbedingte Empfehlung!

Nachdem wir unsere Beute verstaut hatten, die dank der Business Class Tickets diesmal etwas üppiger ausgefallen war, entschieden wir, Richtung Qbajjar Bay zu laufen, bevor der Regen losginge. Es war windig, der Himmel eine Drama Queen und die Wellen schlugen in die Bucht, als ob es kein Morgen gäbe. Wir liefen bis zur Qolla l-Bajda Battery und ich eskalierte fotomäßig völlig. Zuletzt bestieg ich noch den Xwejni Rock und machte Fotos von oben in die Xwejni Bay auf der anderen Seite.

Zwischendurch gab es einen kleineren Schauer. Ich fürchtete um die Kamera und wir machten uns auf den Heimweg. Exakt drei Meter vor unserer Haustür brach der Starkregen los. Was für ein Timing!

Wir aßen in der Wohnung. Brot war ausreichend vorhanden. Dazu Ġbejniet, Oliven und Kunserva ħelwa – ein wahres gozitanisches Festmahl. In der Nacht heulte der Wind ums Haus. Morgens standen alle unsere Balkonstühle dicht an die Tür gedrängt wie eine ängstliche Schafherde. Der böse Wolf hatte sie allerdings verschont.

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