
Ich weiß nicht, wie lange ich versucht habe, dieses Brot zu backen. Immer wieder stieß ich auf irgendein Rezept, testete es – und weinte anschließend hemmungslos. Aus unterschiedlichen Gründen. Keins war so wie es sein soll. Wir schienen nicht füreinander bestimmt zu sein. Und jedes Jahr kaufte ich mir eins (oder zwei…) im Gozo-Urlaub in unserer Lieblingsbäckerei in Nadur. Und bekam es trotzdem hinterher wieder nicht hin. Ich hab’s mit Sauerteig probiert. Ich hab’s mit Hefe probiert. Nix!
Einige der zahllosen missglückten Versuche sind hier dokumentiert: Mujeres al borde de un ataque de nervios. Und dazu auch das Rezept für den traditionellen Ftira Belag, mit dem es zum Ħobż biż-żejt wird. So weit, so gut. Eine echte Ftira habe ich jedenfalls bisher nicht hinbekommen. Bisher.
Der World Bread Day wird diesmal mein Ftira Day
Das sollte sich nun ändern, denn wieder einmal fällt der World Bread Day in einen Gozo-Urlaub. Bei Zorras Einladung fiel mir gleich die noch offene Rechnung mit der Ftira ein. Das klassische maltesische Ħobż hatte ich ja 2021ebenfalls von Gozo aus an den Start gebracht.
Am 16.10.2021 zog ich in Marsalforn ein Ħobż Malti bil-Ħmira aus dem Ofen. Das wollte ich nun mit einer Ftira wiederholen. Soweit der Plan!
Testlauf im Untertaunus
Einige Tage vor unserer Abreise in den Urlaub beschloss ich, einen kleinen Testlauf durchzuführen. Sicher ist sicher. Und siehe da: Das sah schon mal richtig gut aus! Okeehhh… Bis auf das kaum vorhandene Loch in der Mitte. Aber daran kann man ja arbeiten.


Soweit zum Untertaunus-Brot. Der Plan war nun, mit diesem geeigneten Rezept nach Gozo zu reisen und es dort nochmals zu backen. Das Beschaffen der Zutaten sollte auf der Insel kein Problem sein. Wo in deutschen Supermärkten Weizenmehl Type 405 steht, findet man im örtlichen Lighthouse italienisches Tipo 00. So muss das. Und was braucht man schon für ein Brot? Richtig: Mehl, Wasser, Salz und ein Triebmittel. Der Einfachheit halber nutzte ich hier Hefe. Ich wollte nicht noch den Menschen in der Sicherheitskontrolle des Frankfurter Flughafens meinen Sauerteig vorstellen müssen. Zumal er ja ohnehin keinen Namen hat.
Szenenwechsel: Wenn Brot Ħobż heißt, …
… dann bedeutet das, dass man auf Malta ist. In unserem Fall auf der kleinen Schwesterinsel Gozo.
Kurze Anmerkung zum Thema Ftira dazu: es gibt eine Ftira Maltija und eine Ftira Għawdxija. Auf Malta handelt es sich um ein rundes Flachbrot mit einem Loch in der Mitte. Auf Gozo eher um eine Art rustikale Pizza. Wir reden in diesem Blogpost bei Ftira immer von der maltesischen Variante, die übrigens im Dezember 2020 von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde.



Und wenn es um einen herum so aussieht, dann kommt man sofort in Ftira-Stimmung. Bei unserem Besuch in der San Blas Bay sah ich gar einen Stein, der wie eine Ftira aussah.
Nach dem ersten Lighthouse-Einkauf legte ich los. Der Einkauf selbst verlief wie erwartet problemlos, die Equipment-Bedingungen dagegen gestalteten sich etwas schwierig. Ich fand nur eine ziemlich kleine Schüssel in den Schränken unseres Ferienhauses, um den Teig darin gehen zu lassen. Die Schüssel musste ausreichen. Nach der Nacht im Kühlschrank hatte sie die Brottütte, in die ich sie eingewickelt hatte, nahezu gesprengt.
Morgens ließ ich den Teig in der sehr warmen Küche anspringen, formte ihn so gut ich konnte und versuchte, den Gasofen in der Küche anzuwerfen. Schwierig. Sehr schwierig. Zuletzt wendete ich das Brot, damit es auch von oben Farbe bekommen würde. Die Grillfunktion überforderte mich.
Aber hier erstmal das Rezept, mit dem ich es zum ersten Mal geschafft habe, eine satisfaktionsfähige Ftira herzustellen:
Zutaten
- 350 g Mehl Tipo 00
- 0,5 TL Trockenhefe
- 1 TL Salz gestrichen
- 260 ml Wasser lauwarm
- etwas Olivenöl
Anleitung
- Alle Zutaten verkneten und etwa eine Stunde abgedeckt gehen lassen.
- Stretch & Fold – etwas Olivenöl auf die Hände geben, den Teig damit rundherum einreiben und zurück in die Schüssel legen. Nochmals eine Stunde gehen lassen.
- Nochmals Stretch & Fold – und ab in den Kühlschrank. Über Nacht dort lassen.
- Morgens auf Betriebstemperatur kommen lassen. Dann erst zu einer Kugel und schließlich zu einem Laib mit einem Loch in der Mitte formen. Das Loch sollte ausreichend groß sein, damit es nicht beim Aufgehen des Teigs im Ofen wieder verschwindet. Ich weiß, wovon ich rede 😉 Auf ein leicht bemehltes Backpapier geben, abdecken und nochmals gehen lassen.
- Ofen auf 250°C Ober-/Unterhitze vorheizen und einen Pizzastein mit aufheizen lassen. Ein ofenfestes Förmchen mit Wasser füllen und ebenfalls in den Ofen stellen.
- Teig mit dem Backpapier auf den heißen Stein geben und etwa dreißig Minuten abbacken, bis es außen gebräunt und knusprig ist. Auf einem Rost abkühlen lassen.



Bei diesem Versuch schaffte ich es dann sogar, das Loch in der Mitte ordentlich hinzukriegen. Leider platzte das Brot innen etwas auf. Das tat aber dem Geschmack keinen Abbruch. Ich war tatsächlich zufrieden – bis auf diesen Schönheitsfehler.
So. Und jetzt freue ich mich schon auf all die anderen Brote, die bei Zorra heute zu sehen sein werden. Einen wunderbaren World Bread Day von Gozo aus an alle Teilnehmer*innen.


