… Lying side by side
Used up empty bottles
Remembering long lost wine.“
– Lou Reed
Leere Flaschen wird es heute sicher geben. Passend zu den „Frauengesprächen“ mit Janett am Küchentisch. Und da es ansonsten nichts zu berichten gibt, mache ich es mal kurz.
Wir werden – wie traditionell alle paar Wochen üblich – extrem wichtige Neuigkeiten austauschen, das ein oder andere Gläschen Rotwein dabei leeren und uns dann den ganzen nächsten Tag auf der Arbeit wünschen, wir wären tot. Oder hätten es wenigstens beim Austausch der extrem wichtigen Neuigkeiten belassen.
Aber ab und an muss das halt auch mal sein. So eine kleine Nahtodeserfahrung von Zeit zu Zeit ist sicher gut für den Charakter…
Ach, und wo ich gerade dabei bin: „Tine, du bist auch noch dran vor dem Umzug!“

Na, super! Eigentlich waren wir der Meinung, dass wir heute Abend bei dem Vor-Ort-Treffen mit dem zweiten Trockenbauer bereits verlegte Kabel in den offenen Wänden und ein paar Angestellte unseres Bauunternehmers bei der Arbeit an der Lüftungsanlage vorfinden würden – aber: Nüscht is‘!
Sieht aus wie Sonntag Abend. Da war nach uns niemand mehr drin. Und die mittlerweile zwei Mails an unseren Bauleiter Tom blieben auch bislang unbeantwortet. Bis auf den Anruf einer Dame der Baufirma, die MrFlax darüber in Kenntnis setzte, dass der Herr Tom versucht habe, ihn zu erreichen (Wie das? Hat er aus etwa 200 Kilometern Entfernung leise seinen Namen gerufen?) und sich morgen wieder melden würde (Wo ist sein übliches „Yes we can!“? Oder haben wir den Nachsatz „… but we don’t really want to…“ überhört?).
Desweiteren wurde uns mitgeteilt, dass der Installateur am kommenden Dienstag Zeit für uns habe. Klasse! Blöderweise hat da aber niemand von uns Zeit. Und jetzt? Das ist langsam alles etwas erschöpfend. Manchmal habe ich fast den Eindruck, wir sollten vielleicht für die Bauphase unsere Jobs aufgeben, damit wir sofort für jeden Handwerker verfügbar sind, der jederzeit mal kurzfristig vorbei kommen wollen könnte. Sind wir nicht irgendwie Kunden? Und werde ich nicht den ganzen Tag gezwungen, nett und zuvorkommend zu Kunden zu sein? Irgendwas läuft da schief.
Dafür hat mich unterwegs wieder die Supernanny Wallmann böse angeschaut. Beim nächsten Mal muss ich sicher für drei Minuten auf die „stille Treppe“.
Immerhin: Der Innenausbau-Mann, den wir heute getroffen haben, macht einen äußerst guten, aber dafür hochpreisigen Eindruck. MrFlax nennt es nicht hochpreisig, sondern unbezahlbar. Aber das kann und will ich nicht glauben. Besonders gut gefielen mir dessen Nachfragen zu gestalterischen Aspekten beim Einbau meiner (!) Badewanne. Da hat man gleich das Gefühl, der Mann versteht einen.
Und: Anschließend waren wir etwas essen und Innenputzfarben diskutieren. Mit ein wenig Überzeugungsarbeit sollte ich wohl relativ freie Hand haben. Mir wurde lediglich strikt untersagt, kreative Vorschläge für die Innenausstattung des Würfels zu machen. Oder gar ernsthaft umsetzen zu wollen. Aber gut. Damit kann ich leben. Betrete ich dieses Zentrum intellektueller Potenz halt nicht mal zum Bücher abstauben und konzentriere mich einrichtungsmäßig auf den kompletten Rest des Hauses. Falls es irgendwann mal fertig wird…    

Ich glaube kaum, dass ich heute irgend etwas schreiben sollte. Es ist einfach zu kalt. Immer, wenn ich von draußen ins Warme komme, habe ich eine halbe Stunde lang Kopfschmerzen, weil da offensichtlich irgend etwas in meinem Kopf festgefroren ist, das erst langsam wieder auftauen muss und dabei weh tut. Das kann doch nicht gesund sein, oder?

Auf den hessischen Landtagswahlplakaten, mit denen ich bei meinen derzeit recht häufigen Grenzübertritten permanent konfrontiert werde, scheinen die Gesichter der Kandidaten ebenfalls irgendwie erfroren zu sein.
In der Landeshauptstadt grinst die Supernanny der CDU mich frostig, aber überaus erziehungsfreudig an. Hieß die nicht neulich auf RTL noch Katharina Saalfrank und nicht Astrid Wallmann? Ich bin verwirrt.
Was mich ebenfalls verwirrt, ist die Tatsache, dass vor drei oder vier Tagen anscheinend in einer großangelegten Nacht-und-Nebel-Aktion ganz Hessen flächendeckend be-schäfer-gümbelt wurde. Waren die Plakate vor den überraschend positiv ausgefallenen Sympathieumfragen bereits gedruckt – bloß dass niemand wagte, sie aufzuhängen? Oder war das mehr eine kurzfristige „Die-Wähler-mögen-den-ja!-Dann-lasst-uns-aber-flott-doch-noch-den-Schäfer-Gümbel-nachschieben“-Aktion?
Die Linke hat ein wenig sehr text- und symbollastige Plakätchen gebastelt. Ich glaube kaum, dass die im Vorbeifahren irgendwer versteht. Schon gar kein Hesse… *harhar*
Auf den FDP-Postern gibt es ein gockelig-schockgefrostetes Jörg-Uwe-Hahn-Grinsen. Überhaupt: Jörg-Uwe! Ein Vorname, wie für Schäfer-Gümbel gemacht. Was wäre DAS für ein Kandidat gewesen?! Jörg-Uwe Schäfer-Gümbel! Ganz groß… Nicht auszudenken, wenn der dann noch mit Frau Müller-Klepper von der CDU aus dem Rheingau-Taunus-Kreis eine Ehe-Koalition eingehen würde.
Apropos Namen: Süß auch, wie die Grünen in Ffm Frau Sorge ins Rennen schicken – und die CDU mit Herrn Milde von Darmstadt aus in herrlichster Metaphorik dagegen hält.
Die größten und schönsten Plakate zeigen aber natürlich den herrlichen hessischen Landesvater, wie er süffisant grinsend, aber wortlos zu sagen scheint: „Diesmal brauche ich kein Programm und keine Inhalte. Das langt auch so. Ätschi-kalätschi!“ Stattdessen steht da allerdings etwas von Kompetenz und Klarheit. Und „Zeiten wie diesen“.
Seltsam übrigens, dass die vor gar nicht allzu langer Zeit noch minütlichen Übergriffe von kriminellen Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf brave deutsche Rentner in öffentlichen Verkehrsmitteln schlagartig aufgehört haben. Wie das?!
Gelte ich eigentlich in ein paar Wochen auch als Zuwanderin mit Migrationshintergrund? Und muss Max dann seine knapp bemessene Freizeit bis zu den Zähnen bewaffnet und zu allen Schandtaten bereit in S-Bahnen und Bussen verbringen? Was ist mit dem Hessisch-Test für Zuwanderer? Genügen Grundkenntnisse wie „Frau Werrdin, en Bembel!“ oder ein paar „Familie-Hesselbach“-Zitate? Oder muss man etwa Sabrina Setlur länger als zehn Minuten ertragen können?
Rolli Koch sieht jedenfalls nicht aus, als ob er es uns übertrieben einfach machen wolle. Darüber kann auch das pseudo-joviale Grinsen auf den Wahlkampfplakaten mich nicht hinwegtäuschen.

Heute wurde ein Bewerber um die Ausführung der Trockenbau- und Spachtelarbeiten erwartet. Mit etwas Verspätung wegen einer Autopanne trafen die beiden Herren (Chef und Trockenbauspezialist) dann auch ein. Der Bau wurde begutachtet, die anstehenden Arbeiten in Augenschein genommen und die schwierigen Stellen mißtrauisch beäugt. Dass die sieben Meter Deckenhöhe im Luftraum und das extrem hohe Treppenhaus nicht auf Begeisterung stoßen würden, war uns eigentlich klar. Die Arbeiten an diesen Stellen werden wir wohl auch – wie ursprünglich geplant – unserem Bauunternehmen überlassen.
Unsere bisher erledigten Trockenbauversuche wurden besichtigt und bis auf die Tatsache, dass die Platten mit gleicher Höhe nebeneinander geschraubt teilweise eine relativ lange Naht an der Oberkante ergeben, auch für gut befunden. Als völlige Nichtswisser hatten wir uns eigentlich auf die Ratschläge unseres Bauleiters verlassen, deren Befolgung nun aber nicht gerade als die beste Lösung angesehen wurde. Nach Meinung der beiden Herren hätten die Platten in der Höhe versetzt angebracht werden müssen. Bedeutet: Nicht nur Kreuzfugen wären zu vermeiden gewesen (was wir ja auch penibel beachtet hatten), sondern Spachtelfugen von mehr als zwei Metern wurden ebenfalls als Teufelswerk angesehen. Ansonsten scheinen wir allerdings keine unüberwindlichen Spachtelhindernisse verursacht zu haben.
Bei einem anschließenden Geplänkel über die Qualität der Arbeiten von Trockenbauern im Allgemeinen, fiel dann ein Satz, der mich vom Höhenflug der letzten Wochenenden auf den Boden der Tatsachen zurückholte und eine hoffnungsvolle Trockenbaukarriere bereits im Keim erstickte: „Ja… Die meisten meinen, wenn sie im eigenen Haus ein paar Wände beplankt hätten, wären sie geniale Trockenbauer…“ Oops! Etwa nicht?!
Nun warten wir auf einen Kostenvoranschlag dieser Firma. Am Dienstag treffen wir uns noch mit dem Vertreter eines zweiten Trockenbauunternehmens, der uns ebenfalls ein Angebot unterbreiten soll. Da wir eigentlich vorhaben, die restlichen Wände des gesamten Erdgeschosses selbst zu dämmen und doppelt zu beplanken, umfassen die Angebote nur die Arbeiten im Obergeschoss. Beide Stockwerke schaffen wir in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht. Wenn in der kommenden Woche der Elektriker die Leitungen verlegt hat, geht es am Wochenende mit den noch offenen Wänden los. Alle Arbeiten müssen fertig sein, wenn am 12. Februar der Estrich kommen wird. Eventuell versuchen wir aber auch, den Estrich-Termin um eine Woche nach hinten zu schieben, damit wir etwas mehr Spielraum haben – und ich damit weniger Grund zur Panik.
In der Wartezeit vertrieben wir uns die Zeit mit Mängelsuche und Sonnenbaden. Eine Fensterbank hat zwei tiefe Kratzer, zwei Deckenbalken sind leicht gerissen, die Lattung in der Ankleide ist fehlerhaft, ein Fenster hat eine „Macke“. Alles wurde fotografiert und notiert zur späteren Besprechung mit dem Bauleiter. Den Rest der Zeit nutzten wir, um auf unserer zukünftigen Terrasse in der Sonne zu sitzen. Trotz der Kälte (am Gerüst hängen immer noch Eiszapfen und das Dach ist nach wie vor schneebedeckt) war es in der Sonne total angenehm. Für einen Kaffee marschierten wir schließlich zur ortsansässigen Bäckerei.
Memo to myself: Billige Kaffeemaschine für die Bauphase kaufen! 

Wir haben es zwar nicht ganz so früh auf die Baustelle geschafft wie ursprünglich geplant, aber 9:30 Uhr hat auch gereicht, um Max noch pünktlich zum Training zu bringen. Und der Würfel, für den wir glaubten, heute und morgen ran zu müssen, ist fertig.
Bei klirrender Kälte, aber strahlendem Sonnenschein haben wir zu dritt die komplette Decke beplankt und auch den Anschluss an den Wänden noch fertig bekommen. Sieht richtig gut aus. So langsam kommt auch die Routine, die Fehler werden weniger, während die Zeit für einzelne Arbeiten sich von Mal zu Mal verkürzt. Fotos von unserem heutigen Werk gibt es im Ordner „Rigipsbeplankung“.
Nach aktuellen Berechnungen haben wir mittlerweile eine Fläche von 117,95 Quadratmetern mit Gipskartonplatten beplankt. Klingt richtig beeindruckend. Andererseits: Mathe war nie meine Stärke… Ich hoffe, ich habe mich nicht verrechnet. Jedenfalls nicht völlig…
Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die ausgeliehenen Teleskop-Rigipshalter sind sensationell! Ohne die wäre alles unendlich viel mühsamer und würde wesentlich mehr Zeit erfordern. Hätten wir sie gekauft, würde ich mich so weit aus dem Fenster lehnen, bereits Anfang Januar zu behaupten, dass das definitiv „Der Kauf des Jahres“ sei. Ein wirklich gigantisches Hilfsmittel! Uneingeschränkt zu empfehlen.
Blöderweise kann ich trotzdem kaum noch meine Arme bewegen. Wie Max das Baseball-Training überlebt hat, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Zudem murmelte er eben noch etwas von „Hinterher fahre ich noch ins Fitness-Studio…“. Na, da bin ich aber mal gespannt!
Morgen kommt ein Trockenbauer ins Haus, um einen Kostenvoranschlag für die unzugänglichen Stellen weit oben und die Spachtelarbeiten abzugeben.
Der Installateur hat sich auch heute gemeldet und will sein Angebot schicken. Wir hatten ja nach der leidvollen Erfahrung mit des Bauunternehmers Badstudio ein Alternativangebot eingeholt, um Preise vergleichen zu können und dann gegebenenfalls die Arbeiten selbst zu vergeben.
So. Ich suche mir jetzt ein schönes, warmes Plätzchen, an dem ich mich und vor allem meine Arme nicht weiter bewegen muss. Mal gespannt, wie sich das morgen anfühlt…