Wie jedes Jahr: Einkaufspanik! Das größte Problem machen allerdings diesmal nicht die Geschenke. Innerhalb einer halben Stunde wurde ich zwar letzthin von den beiden Herren Flax gefragt, was man denn dem jeweils anderen „um-Himmels-Willen“ schenken könne, aber diese beiden Probleme wurden mittlerweile – zumindest in der Theorie – zufriedenstellend gelöst. Geschenketechnisch fehlen jetzt lediglich noch ein paar Kleinigkeiten, was aber lösbar sein sollte.
Viel schlimmer: Heute schon will ja bereits durchdacht sein, was man morgen noch einkaufen muss, damit man nicht während dieser ja eigentlich sehr angenehmen Feiertags-Wochenend-Konstellation des Hungers zugrunde geht bzw. am kommenden Samstag in überfüllten Discountern zu Tode getrampelt wird. Ist also alles in Kühlschrank und Gefrierfach, was man in den nächsten Tagen darin händeringend suchen könnte? Sind ausreichend Getränke für die Feiertagsmahlzeiten vorhanden? Sollte man die Baustellen-Kinderglühwein-Reserven vielleicht sicherheitshalber noch einmal aufstocken?
Also morgen schnell in der Mittagspause einkaufen und bloß nichts Lebenswichtiges vergessen! Die Auswirkungen könnten fürchterlich sein. Was, wenn der Kaffee mittendrin ausgeht? Oder die Zahnpasta? Oder im letzten Augenblick gar das Geschenkpapier?
Es ist also eigentlich so wie immer. Und eigentlich auch so, wie man es in diesem Jahr garantiert nicht wieder haben wollte. Hatte man jedenfalls im letzten Jahr beschlossen. Funktioniert aber sowieso nie.
Ich schätze fast, die stressfreiesten Tage werden die mit dem Cuttermesser in der Hand auf der Baustelle sein. Heiligabend ist es endlich wieder soweit!  Juhuuuu!

Zum 4. Advent gab es sogar eine Kerze auf der Baustelle. Und Plätzchen. Und Kaffee. Und eine Tischdecke. Die Bauherrinnen-Eltern kamen zu Besuch und brachten das o.g. Adventskaffeezubehör mit. Eine willkommene Überraschung während der Dauer-Schrauberei. Danke!
Vorher und hinterher taten wir, was getan werden musste: Rigips anschrauben. Mit der Übung kommen auch die ersten Erfolgserlebnisse. Das Balkenausschnitt-Gebastel an der Decke hat ganz gut funktioniert. Die Idee, dafür eine Holzlatte als Schablone zu benutzen, hat sich als praktikabel erwiesen.
Und die große Wandfläche im Erdgeschoss sieht auch gut aus. Bei großen Flächen und wenig Zuschneiderei geht es doch recht zügig voran und man kann sich innerhalb kürzester Zeit auf die Schulter klopfen und sich gegenseitig zur getanen Arbeit gratulieren.
Probleme gab es bei einer Außenkante: Gipskarton nur anstoßend oder leicht überlappend? Das muss erstmal morgen durch ein Telefonat geklärt werden.
MrFlax schraubt mittlerweile recht routiniert – vor allem nachdem er endlich den richtigen Bit in den Akkuschrauber eingesetzt hat. Gestern waren wir noch der Meinung, der benutzte sei der ideale für unsere Schrauben. Leider ein Trugschluss…
Die größte Motivationshilfe war allerdings die gegen Abend entdeckte „Merkel-Technik“. Dabei muss man sich vorstellen, dass die Rigips-Platte das Merkel ist. Man kann es zwanglos beschimpfen, wenn es nicht will wie es soll. Man kann es prima anschreien („Nimm dies!!!“) und in Richtungen zwingen, die es nicht mag („Und es bewegt sich doch!“). Und am Ende jeder Platte kann man es fragen: „War es für dich so schön wie für mich?“ Das Wissen, dass die Schraube erst richtig sitzt, wenn das Merkel gequiekt hat, war auch sehr hilfreich.

Meine Zuschneidearbeiten und Handlangerdienste sind mittlerweile auch weitgehend ausgereift. Die Metallschiene ist mein bester Freund. Gemeinsam schaffen wir saubere Kanten. Wie sang der Grusel-Barde aus Bochum doch dereinst? „Oh, ich schneid‘ mir was, schneiden macht soviel Spass, ich könnte ständig schneiden gehn, schneiden ist wunderschön, ich schneid‘, ich schneid‘, was ist egal…“
Alles in allem haben wir als völlig  ungeübte Trockenbauer bisher eigentlich ganz gute Arbeit abgeliefert – jedenfalls soweit wir selbst das beurteilen können. Es geht auch zügiger voran, als wir eigentlich dachten. Der Kinderglühwein fließt dabei in Strömen. Es ist doch etwas frisch, da die Baustellenlampen eben doch nicht in der Lage sind, ein ganzes Haus aufzuheizen. Schade!
Irgendwann nach über fünf Stunden hatten wir dann unser Plan-Soll für heute erfüllt und die letzte Schraube wurde unter frenetischem Jubel ins Merkel getrieben. Feierabend – und Wochenende vorbei.

So. Heute ging es also los. Unser erstes Stündlein als Trockenbauer hatte geschlagen. Bis auf eine Leiter waren wir mit allem nötigen Equipment ausgestattet. Erste Amtshandlung war das Zusammenbasteln der Halogen-Bauscheinwerfer, was wider Erwarten völlig problemlos vonstatten ging. Einziger Fehler war das Anschalten derselben durch den Bauherrn während die Bauherrin gerade genau hinein schaute. Es dauerte aber nur ca. fünf Minuten bis ich wieder Umrisse erkennen konnte.
Die Strahler sind nicht nur wahnsinnig hell, sondern heizen auch gleich den kompletten Raum auf, was sich als sehr vorteilhaft erwiesen hat. Kaum konnte ich wieder im üblichen Umfang sehen, klopfte es an der Tür und der bereits eingetretene Wolfitekt erschreckte mich fast zu Tode. Das machte er hinterher aber wieder gut, indem er durchaus nützliche Tipps gab und ein paar fragwürdige Stellen am Bau fand und fotografierte, die er mit der Bauleitung besprechen wollte.
Nach seinem Abgang legten wir dann endgültig los. Die perfekte Arbeitsteilung wurde schnell gefunden: MrFlax schraubt, MrsFlax schneidet Gipskartonplatten zu und reicht dieselben an. Das erwies sich im Laufe des Tages als die ideale Kombination. Die fehlende Leiter wurde provisorisch durch Dämmstoffpakete ersetzt, so dass wir auch bis auf Deckenhöhe schrauben konnten. Als Testwand nahmen wir eine Wand im Technikraum, die hinterher sowieso mit Regalen verstellt werden wird, so dass selbst grobe Fehler nicht weiter auffallen sollten. Klappte aber insgesamt alles ganz prima. Morgen soll es dann mit Tests an einigen anspruchsvolleren Stellen – z.B. den Balkenausschnitten an der Decke – weitergehen.
Bis zum Fortgang der Arbeiten an der Elektroinstallation und der Lüftungsanlage ab Mitte Januar sollten wir eigentlich alle bereits mit OSB-Platten beplankten Wände mit Gipskarton verkleidet haben. Offene Wände können auch noch mit Dämmstoffzuschnitten befüllt werden. Vom Zeitaufwand her scheint auch das machbar.
Sieht also prinzipiell gut aus. Jedenfalls bis uns jemand sagt, dass wir einfach alles falsch gemacht haben, und sich unsere brutalen Fehler selbst vom geschicktesten Spachtler der Welt niemals vertuschen lassen werden. Was aber natürlich nach heutigem Stand der Dinge selbstverständlich eine Möglichkeit ist, die wir völlig außer Acht lassen können. Wir sind schließlich die neuen Stars am Trockenbauerhimmel!

Eigentlich gibt es heute gar nichts zu berichten. Außer vielleicht, dass MrFlax im Baumarkt ein wenig in Beleuchtung, Schrauben und Werkzeug investiert hat. Morgen wollen wir mit der Montage der Gipskartonplatten beginnen. Nach einem Telefonat mit unserem Bauunternehmer sind auch die letzten technischen Unsicherheiten beseitigt. Jetzt kann uns nur noch unsere eigene handwerkliche Unfähigkeit einen Strich durch die Rechnung machen.
Währenddessen habe ich Weihnachtsgeschenke verpackt und dabei eine ganze Packung Dominosteine weggeatmet. Ich kaufe das Zeug nicht mehr. Nie mehr. Oder jedenfalls nicht gleich… Muss ich ja auch nicht. Sind ja noch Marzipankartoffeln da… *höhö*
Die Adventszeit ist ernährungstechnisch wirklich ein einziger Horrortrip. Normalerweise habe ich nach dem Laufen echt keinen Hunger. Und ich war eigentlich auch zufrieden und glücklich, als ich aus dem Wald kam. Ausnahmsweise war auch das Wetter schön, sogar fast frühlingshaft. Aber wie will man ernsthaft gegen Weihnachtssüßigkeiten ankämpfen? Ich bin mir nicht mal mehr sicher, was zuerst passiert ist: das Nachhausekommen, die Resignation oder das gierige Aufreißen der Packung. Naja… Nun ist es passiert… Wird das Hüftgold halt beim Gipskartonzuschneiden wieder mühsam abgeschmolzen werden müssen. Und der Ausrutscher von vor zwei Wochen mit den gebrannten Mandeln auch. Und der ganze Glühwein. Und die Lebkuchen. Und… und… und…
Ich glaube, soviele Wände haben wir gar nicht zu beplanken, dass ich damit jemals auch nur einen Bruchteil der bereits aufgenommenen Kalorien verbrennen könnte. Ich müsste mich als Aushilfe auf anderen Baustellen verdingen. Auf Großbaustellen…

Die hessische Kälte von gestern scheint dem Fiat nicht bekommen zu sein. Heute morgen wollte er mir partout nicht zu Willen sein und mich wie gewohnt zu Arbeit bringen. Nach mehreren vergeblichen Startversuchen gab ich schließlich auf und rannte genervt zur Straßenbahn. In meinem Ohr hörte ich dabei eine leise Stimme, die mir zuflüsterte „Springt das Auto mal nicht an, nimm doch Busse oder Bahn!“ Die verdammte Stimme dieses kleinen, bärtigen Gärtners. Die Stimme, die ich nicht mehr los werde, seit ich mich neulich leichtsinnigerweise in den „Gärtner Pötschke“-Katalog vertieft hatte.
Seitdem fällt mir zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sogleich ein büttenredenkompatibler Schüttelreim ein. Ja, ja – ich weiß. Ich schäme mich auch zutiefst. Ehrlich… Aber ich komme trotz guten Willens und diverser Ablenkungsstrategien nicht von diesem freundlichen Blumenmann mit seinen Weisheiten los.
„Wenn’s im Garten keimen soll:
Nimm Pötschke-Saat, denn die keimt voll.“

Einfach klasse! Klingt zwar alles ein wenig verseucht wegen der vielen „Keime“, aber wenn der Kram wirklich „voll keimt“… Sagenhaft! Was dabei raus kommt, sind allerdings ab und an monströse Kohlrabi („Superschmelz“), kindskopfgroße Tomaten („Beefsteaktomate Lady Brandywine“) und kunterbunte Möhren („Harlekin Mischung“), die schon ein wenig an Reaktorunfälle erinnern… Pötschke dazu ganz beruhigend:
„Zwiebeln zwei, drei Kilo schwer,
sind heute gar nicht selten mehr.“

Okeeeee… Wenn er meint…  Lassen wir das mit den essbaren Sachen lieber erstmal beiseite und widmen uns der farbenfrohen Blumenpracht, die sich im weiteren Verlauf des Katalogs vor dem Auge des Lesers ausbreitet.  Gleich den dritten Blumenspruch kann ich dem Herrn Gärtner jedoch nicht so ganz abnehmen:
„Für die Schönheit mancher Sorte
fehlen mir ganz glatt die Worte.“

zumal er Sekunden später bereits wieder ‚ganz glatt‘ den nächsten fröhlich-motivierenden Zweizeiler parat hat:
„Sie wachsen wie die Feuerwehr
und ihre Anzucht ist nicht schwer.“

Na prima! Ein paar Seiten weiter liegt er verträumt im Gras und fragt:
„Hast du schon mal so dagelegen
der schönen Sommerblumen wegen?“

Ja, habe ich, Pötschke. Und das bereits mehrfach. Und nicht nur im Sommer. Und ich habe dabei auch keinen Gedanken an die „Schneckenfestigkeit“ von Löwenmäulchen verschwendet. Kurz darauf wird der gute Mann etwas förmlich. Auf Seite 142 waren wir uns eigentlich bereits so nahe, dass er mich geduzt hat. Ist ja auch kein Problem. Er ist der Ältere und wenn er mag… Ich frage mich nur, was ich zwischen Seite 142 und Seite 191 getan habe, um ihn so zu verärgern, dass er wieder förmlich wird:
„Wenn Sie prächt’ge Blüten wollen,
pflanzen Sie solch tolle Knollen!“

Kein Problem. Ich bin ja bereit zu pflanzen. Nicht gleich patzig werden, Gärtnerchen! Gegen Katalogende verrät er dann endlich, was mich schon die ganze Zeit über beschäftigt:
„Dichterei und Schreiberei
klappen im Garten einwandfrei.“

Das ist es also – das Geheimnis des kleinen Gemüsezüchters. Ganz große Literatur aus dem Blumenbeet. Lyrik zwischen Säulenkirschen und ‚Exit, dem professionellen Maulwurfjäger‘.
Fazit der Lektüre: Vielleicht doch lieber gleich alles pflastern?