Jetzt sind wir doch noch in arge Zeitnot geraten. Am Donnerstag – als bereits übermorgen – kommt die Schüttung und freitags die Fußbodenheizung. Anfang kommender Woche gibt es dann eine Runde Estrich für alle (Zimmer). Morgen ist also die letzte Chance, noch dringend nötige Arbeiten zu verrichten. Heute war die vorletzte – und wir haben sie voll genutzt.
Da ich wegen der Fassenacht bereits um 12 Uhr Feierabend hatte, bot es sich an, nochmal richtig zum Endspurt anzusetzen. Bei meinem Eintreffen auf der Baustelle wurde ich bereits vom Wolfitekten erwartet, der einen Schlüssel abholen wollte, damit er morgen den Wassermännern von der Gemeinde und am Donnerstag den Jungs vom Bauunternehmen Einlass gewähren kann. Ebenfalls vor Ort waren die Trockenbauer, die damit beschäftigt waren, ihre Fehler der letzten beiden Wochen wieder auszubügeln. Etliche Gipskartons waren gedreht worden, damit die Außenkanten „rund“ waren, was das Spachteln erleichtern soll und hinterher auch deutlich besser aussieht. Zudem sind die Platten mit den zu groß ausgeschnittenen Steckdosenlöchern abmontiert und durch neue ersetzt worden. Das sieht doch alles schon deutlich besser aus als noch vor ein paar Tagen. Zudem besserten sie die Vorbauwand im kleinen Bad nach. Die ist jetzt auch o.k. bzw. entspricht den Tom-Vorgaben.
Nach dem Verschwinden der „Besucher“ samt des Wolfinators konnten wir uns dann endlich loslegen. Im Gästezimmer wurde endlich die Wand geschlossen, die zwischendurch wegen der zu dicken Lüftungsrohre völlig verschandelt und jetzt wieder zurückgebaut worden war. Ebenso schraubten wir die Platte in Max‘ Zimmer wieder an, die ebenfalls im Zuge dieses Umbaus entfernt worden war. Oben ist jetzt alles dicht. Gipskarton wohin das Auge blickt.
Blieb die Erbauung des „Materiallagers“. Da wegen des Estrichs ja sämtliche auf dem Boden befindlichen Dinge entfernt werden müssen, wir aber hinterher noch ein paar GK- und OSB-Platten benötigen, musste ein Lager für diese gebaut werden. Wir hatten die Nische in Max‘ Zimmer dafür auserkoren, da sie von den Abmessungen her optimal erschien. Nach ein bißchen Fluchen war auch das erledigt.
Weiter ging es im EG. Da gibt es noch ein paar Krisenherde. Im Technikraum, der uns wahnsinnig viel Zeit gekostet hatte wegen der aufwendigen Schnitzarbeiten an der Decke und der vielen Rohr- und Kabelausschnitte, musste die Doppelbeplankung von gestern noch beendet werden. Bis auf zwei Stellen, an die die Wasser- und Strommänner ran müssen, ist der auch dicht.
Blieben HWR und kleines Bad. Im HWR war die Außenwand noch offen, da sie umgebaut werden musste wegen eines zu fetten Wasserrohrs in der Installationsebene. Wir entschieden uns für die Notlösung: Endlich den mistigen Kasten um das Wasserrohr zimmern und dann die untere Raumhälfte mit OSB und  GK beplanken, damit der Estrich kommen kann. Hinterher kümmern wir uns um den oberen Teil des Raums.
Im kleinen Bad unten ist bisher sehr wenig passiert. Der Trockenbauer hat uns die Vorbauwand gezimmert (und heute ja dann endlich korrigiert), gedämmt hatten wir mittlerweile auch irgendwann mal zwischendurch und gestern eine Wand GK-beplankt. Eine. Von vieren. Wenig… Als wir nach all dem anderen Kram endlich dort ankamen, war es fast 22 Uhr und nach einem letzten Aufbäumen in Richtung Vorwandverkleidung, gaben wir entnervt auf. Zu spät. Zu fertig. Zu unkonzentriert. Das bleibt also für morgen liegen, wenn mich MaxFlax zur Baustelle begleiten wird. Ich setze mal darauf, dass wir wenigstens eine Notlösung ähnlich der im HWR hinbekommen, das Materiallager bestücken und die Baustelle entrümpeln und kehren werden. Klingt überschaubar, wird sich aber wahrscheinlich wieder zu einer mittleren Katastrophe entwickeln. So wie ungefähr alles in den letzten Wochen.
Und heute war echt nicht mein Tag. Während des GK-Zuschneidens kippte ich eine Flasche Krombacher alkoholfrei in die Kreissäge und brach fast in Tränen aus. Der Bauherr meinte, das sei sicher nicht so schlimm, trocknete sie ab und warf sie todesmutig an. Und siehe da: Sie lief einwandfrei.
Dann gab es einige kläglich gescheiterte Zuschnittversuche. Irgendwann dreht man echt durch und dann geht gar nichts mehr. Ich konnte mir nicht mal mehr die Zahlen, die ich gerade vor einer halben Minute ausgemessen hatte, bis zum OSB-Stapel merken.
Auf dem Heimweg wurde ich dann noch fast von einem Wahnsinnigen getötet, der im Gegenverkehr überholte und im letzten Moment direkt vor mir wieder zurück auf seine Fahrbahnseite zog. Ich hab’s erst geschnallt, als er schon außer Sichtweite war. Aber ich hatte ja meine Freunde Kreisi, die Kreissäge, und Stichi, die Stichsäge, im Auto – und wie war das noch?
„And if a double-decker bus
Crashes into us
To die by your side
Is such a heavenly way to die
And if a ten-ton truck
Kills the both
three of us
To die by your side
Well, the pleasure – the privilege is mine
“ – Morrissey

… Es is bald widder gut,
Es Kätzje hot a Schwänzje
Es is bald widder gut,
Heile, heile Mausespeck
In hunnert Jahr is alles weg!“
– Ernst Neger
(ja, ich weiß, eigentlich nicht im Original, aber doch zumindest heute…)
Was war das wieder für ein Tag?! Heute morgen beim Anziehen, musste ich mir von Herrn Max bereits anhören: „Du kannst machen, was du willst – du riechst total nach Holz!“ Danke…
Von solchen Komplimenten bekommt man als Frau natürlich nie genug…
Kurz darauf – nachdem ich ihm erklärt hatte, wo das Auto steht – bekam ich dann folgendes zu hören: „Unter der Brücke? Bist du wahnsinnig?! Du weißt aber schon, dass die da alles zerlegen, was da länger als zwei Stunden steht? Letzthin haben sie einen ganzen Kran auseinandergenommen, der dort geparkt war…“ Meine Stimmung hellte sich dadurch natürlich immens auf. Ich sah bereits vor meinem inneren Auge das brave, unschuldige Puntili auf Ziegelsteine aufgebockt und seiner Reifen beraubt. Wie konnte ich es nur gestern Abend in einem Augenblick der Schwäche dort völlig schutzlos zurücklassen? Was bin ich nur für ein Mensch?!?!
Es stand also der Marsch durch die schunkelnde Menge und entlang der Rosenmontagszugs an. Auf meinem Weg bekam ich die ersten fünfzig Zugnummern zu sehen, an denen ich jedoch grußlos vorbeihetzte, weil es mich zu meinem vermeintlich geschändeten Auto trieb. Als ich dort ankam, war jedoch alles in bester Ordnung. Zumindest fehlten keine Teile, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigten oder auf den ersten Blick als fehlend zu erkennen gewesen wären. Umsonst geschwitzt!
Im Haus angekommen erreichte mich ein Anruf des Bauherrn, der seine Verspätung ankündigte, weil er noch auf der Suche nach Schraubennachschub und im ersten Baumarkt nicht fündig geworden war. Ich beschloss also, ein paar Dinge zu erledigen, die ich allein tun konnte. Außer Kaffee kochen waren das die Zuschnitte der letzten „Zinnen“ im Eingangsbereich und die Vervollständigung des Treppenpuzzles des Herrn Trockenbauers. Er hatte wohl einen Zuschnittversuch gestartet, der jämmerlich gescheitert war. Die offensichtlich aufgegebene Platte hatten wir am Samstag entsorgt.
Als der Bauherr dann eintraf, durfte er erstmal lustig drauflos schrauben.Weiter ging es im Technikraum mit der Doppel-GKB-Beplankung. Dann die Reste im HWR. Und schließlich stürzten wir uns mit letzter Kraft auf die OP-grüne GK-Beplankung im kleinen Bad. Und da war es auch bereits 21 Uhr und wir wären auf dem Zahnfleisch gegangen, wenn wir noch welches gehabt hätten.
Kurz vor Ende der Arbeiten erreichte mich ein Sohn-Anruf, in dem mir mitgeteilt wurde, dass er wohl aus Mitleid einen Spülversuch gestartet, diesen dann aber auf ca. der Hälfte des Weges nach dem ersten zerschmetterten Teller frustriert aufgegeben habe. Dazu muss man zwei Dinge wissen: Erstens leben wir wohl im letzten spülmaschinenfreien Haushalt Deutschlands und zweitens ist die Arbeitsteilung eigentlich so geregelt, dass ich spüle und der Herr Max abtrocknet. Nach längerem Nachdenken wurde mir klar, dass das wohl ein Fehler war. Da hilft für die Zukunft wohl nur eins: üben, üben, üben! Was soll’s? Der gute Wille zählt, und demnächst haben wir ja sowieso eine Spülmaschine.
Zum Feierabend gab es noch ein alkoholfreies Bier aus des Bauherrn Privatkasten und wir saßen einen Moment ausgepumpt zwischen Werkzeug und Dreck und wünschten uns nur noch, dass die Bauphase endlich hinter uns läge. Als das hr3-Programm unmenschlicherweise zu Fastnachts- und Schlagermusik überging, beschlossen wir, dass es Zeit war aufzubrechen. „Fiesta Mexicana“, „Anita“ und „Ich war noch niemals in New York“ hintereinander waren einfach zuviel. Und als dann die Hörer bei der Wahl zwischen „The people who grinned themselves to death“ von den Housemartins und diesem hinrissigen „Roten Pferd“ wählen sollten und sich für das Pferd entschieden, war es beschlossene Sache: Schluss für heute!
Auf dem Heimweg graute mir bereits vor der Parkplatzsuche – vor allem angesichts der Tatsache, dass ich einen vollen Müllsack im Kofferraum hatte, der in die Hausmülltonne sollte. Und den wollte ich ungern drei Kilometer zum Haus schleppen. Aber – Der Herrgott muss en Meenzer soi! – als ich gerade in meine Straße eingebogen war, fuhr jemand aus einer Parklücke direkt vor dem Haus heraus. Mit Wiesbadener Kennzeichen! Nie wieder werde ich schlecht über Wiesbadener reden. Niemals mehr! Jedenfalls nicht vor morgen…
Überflüssig zu erwähnen, dass ich eben in der Badewanne festgestellt habe, dass meine Knie und die kompletten Schienbeine in allen Farben des Regenbogens von ultraviolett bis infrarot leuchten, oder? Und die Rechnung, die der Bauherr heute vom Statiker für die erneute Zusendung der Unterlagen an unsere Freunde von der „Unteren Baubehörde“ erhalten hat, vergessen wir auch mal lieber. Ach! Und dass wir morgen nach der Arbeit weitermachen müssen, habe ich irgendwie auch vergessen zu erwähnen…
„Heile, heile Gänsje
Es is bald wieder gut,
Es Kätzje hat a Schwänzje
Es is bald wieder gut,
Heile heile Mausespeck
In hunnert Jahr is alles weg!“
   

Kurz und knapp (und sehr spät) heute: Ich bin fertig. Die Zwölf-Stunden-Trockenbau-Schicht hat mich total geschafft. Nur der Heimweg war fast noch schlimmer…
Erstmal aber zu unseren Heldentaten von heute: HWR, Technikraum und Küche sind OSB-beplankt. Die Küche ist komplett begipskartont. In Technikraum und HWR fehlt jeweils eine Wand – allerdings aus technischen Gründen. Die HWR-Wand muss wegen eines fetten Wasserrohrs an einer Stelle umgebaut werden.
O.k. – die fehlende GK-Wand im Technikraum ist auf völlige Erschöpfung unsererseits zurückzuführen. Nachdem wir die Wasseranschluss- und Elektrokastenwand doppelt gipskartonieren mussten (inklusive der tollen Balkenausschnitte oben), waren wir zu saft- und kraftlos, um noch weiter zu machen.
Zwischendurch tauchten die Trockenbauer auf, die eigentlich gestern hätten erscheinen sollen, um ihren Anschiss abzuholen. Wir konfrontierten sie mit Toms („Yes we can – but we would have done it much better!“) Beurteilung ihrer Arbeitsqualität. Klar, war es ihnen peinlich. Alle Korrekturen seien natürlich kein Problem. Wenn der Bauleiter das so wolle. Bitte sehr! Trotzdem sei das natürlich eigentlich kein Fehler usw. usf. Wir besprachen die katastrophalsten Stellen und es wurde zugesagt, die Mängel in der kommenden Woche zu beheben. Gut dann. Man darf gespannt sein!
Es folgte eine Baustellensäuberungsaktion (besenrein) und dann ein gemeinsames inneres In-sich-Zusammensinken. Morgen werden wir ab Mittag nochmal ran müssen, damit alles fertig wird, bevor die Fußbodenheizung kommt.
Da wir also nun morgen ebenfalls arbeiten werden, war klar, dass ich mein Auto eigentlich früh um sechs Uhr würde umparken müssen, weil hier großräumig wegen des Rosenmontagszugs gesperrt sein wird. Ab sieben Uhr turnen dann alljährlich lustige Politessen mit Megaphonen durch die Straßen und versuchen die letzten Fastnachtsopfer aus den Betten zu bekommen, damit diese ihre Autos entfernen. Dann hat man aber bereits einen fetten Strafzettel und muss mit eingezogenem Schwanz unter den Augen der Obrigkeit sein Fahrzeug weg fahren. Eine ziemlich fiese Situation, die ich eigentlich möglichst vermeiden wollte.
Es ergab sich jedoch nicht mal die Chance zu frühmorgendlichen Konfrontationen mit dem Gesetz. Mein gesamtes Viertel war komplett zugeparkt von witzigen Fastnachtstouristen. Trotz Anwohnerparkens. Nachdem ich eine Dreiviertelstunde lang den Block umkreist hatte wie einst die tote Laika in Sputnik 2 die Erde, gab ich entnervt auf und beschloss, das Auto gleich außerhalb des Abschleppgefahrenbereichs abzustellen. Auch das erwies sich jedoch als nahezu unmöglich.
Nach längerer Suche und im Zustand völliger Erschöpfung parkte ich schließlich ca. drei Kilometer von zu Hause entfernt in der Nähe einer Umgehungsstraße, die morgen nicht abgesperrt sein sollte. Blieb noch der Marsch Richtung Heimat mit schwerem Gepäck. Ich zog kurz eine Straßenbahnfahrt in Erwägung, fand dann jedoch, dass ich das in meinem „Total-fertiger-Trockenbauer“-Kostüm lieber lassen sollte.
Unterwegs begegnete mir eine Gruppe Schweine in rosa Plüschkostümen. Ich hoffte, sie würden nicht „Helau!“ rufen und mich zum Antworten zu zwingen versuchen. Verzweifelt sang ich leise Morrisseys „Meat is murder“ vor mich hin. Als es ca. 500 Meter vor der Haustüre dann auch noch zu regnen begann, musste ich dann doch noch lachen. Ich lachte selbst dann noch, als ich feststellen musste, dass mein Haar zu einer fiesen, klebrigen Masse aus Sägespänen und Wasser verklumpt war. Aus Erleichterung. Schlimmer konnte es ja nun nicht mehr werden.

… some hessisch Tiefbauworkers!
Die haben nämlich das Parkplatzproblem endgültig gelöst. Kein fremdes Auto – auch nicht das unserer Nachbarn – wird je wieder vor unserem Haus parken. Es wird nämlich gar kein Auto mehr vor unserem Haus parken. Auch nicht eines unserer eigenen Autos. Es gibt nämlich keine Parkplätze mehr. Schwupp! Weg waren sie – bzw. eine Etage tiefer waren sie. Und abgesperrt.
Das war mal wieder ein klassischer Samstag nach dem Schema der vergangenen Samstage: früh raus, Schinkenbrot mit Rührei runterwürgen, ab nach Hessen, schuften, schuften, schuften, zurück nach Hause, Baaaa-deeeee-waaaaa-nneeeeee!
Aber von vorne: Um neun Uhr traf ich am Ort unseres Wochenendvergnügens ein. Außer mir war noch niemand da. Also dämmte ich ein wenig im Hauswirtschafts- und im Technikraum rum. Nur um mir wieder darüber klar zu werden, was genau ich am Dämmen so hasse – nämlich einfach alles. Eine halbe Stunde später trafen der Bauherr und der Bauherrinnenvater ein. Heute sollte nämlich der Müllberg, der sich in den letzten Wochen angesammelt hatte, endlich unser Haus verlassen. Wenn ab Donnerstag die Fußbodenheizung verlegt wird, muss alles raus sein.
Die erste Hälfte des Tages verging also recht zügig mit Anhänger beladen und Abfall zum nahegelegenen Wertstoffhof abtransportieren. Das erledigten die beiden Herren. Ich musste nur die im ganzen Haus verteilten Verschnittstücke von OSB- und GK-Platten einsammeln. Wir luden alles auf. Die Herren brachten es weg. Insgesamt drei Hänger voll.
Während die Beiden unterwegs waren dämmte ich lustig weiter. Am Ende tranken wir noch Kaffee zusammen und die Transportunternehmer stärkten sich mit einem frisch gebackenen Hefezopf der Bauherrinnenmutter. Mit selbstgemachter Erdbeermarmelade von eben dieser.
Als die Bauherrschaft dann wieder unter sich war, wurde der weitere Verlauf der Arbeiten des Tages diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass keine Schrauben für die OSB-Plattenmontage mehr da waren. Der Bauherr hatte jedoch letzte Woche noch 400 Stück (zwei Päckchen) vor Ort deponiert. Offensichtlich hatten sich die Trockenbauer diese – beflügelt vom Chaos, das sie angerichtet hatten – unter den Nagel gerissen. Na, danke… By the way: Schrauben unter den Nagel reißen – Hammerwortspiel!
Also ging es erstmal in den Baumarkt mit den so wahnsinnig musikalischen Mitarbeitern und dann mit den Schrauben zurück zum Haus. Bereits nach einer Platte fluchte und schimpfte der Bauherr nur noch ob der grauenerregenden Qualität der Schrauben. Wieder etwas später ging er von Fluchen zu „Ich fahr‘ die umtauschen!“ über. Gesagt – getan. Teureres Spax-Original-Material musste her. Und siehe da: Tadellos! Um es einmal zu erwähnen: Die vorher stets verwendeten Schrauben von Bauhaus waren deutlich günstiger, aber ähnlich gut zu verarbeiten. Versagt haben bisher nur die OBI-Hausmarken-Teile.
Es folgten weitere OSB-Beplankungen in Küche, Technikraum und HWR.
Erwähnenswert wäre noch, dass Tom nach diversen Interventionen die Umarbeitung der Lüftungsrohre im Gästezimmer veranlasst hatte, und – noch bemerkenswerter – dass dies bereits passiert ist. Ebenso wurde dieser unselige Vorsprung in der Wand entfernt. Morgen müssen wir diese nur noch schließen.
Da die Trockenbauer z. Zt. noch einen Schlüssel haben, verließ ich das Haus natürlich erst, nachdem ich ein Beweisfoto des zurückgelassenen Schraubenkontingents gemacht hatte. Sicher ist sicher.
Auf Aufräumarbeiten verzichteten wir heute großzügig. Das wurde auf morgen verschoben. Zehn Stunden waren genug. Und weglaufen wird der Dreck über Nacht sicher auch nicht. Leider.

Eins vorweg: Der heutige Baustelleneinsatz ist flach gefallen. Der Bauherr ist gesundheitlich immer noch angeschlagen. Wir schonen ihn lieber für morgen, wenn ein kompletter Arbeitstag ansteht. Zudem liegen wir ja auch ganz gut in der Zeit, sodass es eigentlich keinen Grund gibt, wertvolle physische  Reserven bereits heute sinnlos zu verpulvern.
Am Ende ist man noch zu erschöpft für die alljährlich wahnsinnig witzige, originelle und tiefsinnige „Mainz bleibt Mainz wie’s singt und lacht“-Übertragung. Schön, dass das Grauen nun schon über so viele Jahre hinweg einen Namen hat.
Und schön auch, dass es wenigstens einen Abend im Jahr gibt, an dem man genau weiß, wann es Zeit ist, ins Bett zu gehen, weil man ohnehin innerhalb der nächsten fünf Minuten einschlafen wird: der Auftritt der „Mainzer Hofsänger“. Schon als Kind ist mir da alljährlich der Kopf in die Chipsschüssel gefallen. Liedgut wie Vollnarkosen, geschminkte Typen in waberndem Rotweißblaugelb, Texte, die Fremdschämen in ganz neuen Dimensionen erlaubten.
Gut… Als Kind war das einfach nur wahnsinnig öde – etwa von der Qualität einer Autofahrt durch die Po-Ebene. Die wirklichen Ekelaspekte sah man natürlich erst in späteren Jahren.
An Fassenacht muss ja hier alles zwingend ein sogenanntes Motto haben. Das nur zur Erklärung. Nein, ich bin nicht durchgedreht – der heutige Blog-Titel ist das Rosenmontagszugmotto dieses Jahres.  Das Motto der Hofgähner – ääähhh… Hofsänger natürlich! – für 2009 lautet jedenfalls:
„Sie steh’n für Fastnachts-Tradition, in Mainz fast neunzig Jahre schon.
So kennt im Land sie jedes Kind, drum bleiben sie so wie sie sind.“

Einfach rührend. Ob da wohl eine Anzeige wegen Bedrohung Sinn machen könnte?
Während ich so tippe klingen aus dem Stadion (remember: „Wir sind nur ein Fassenachtsverein…“) gar lustige Fangesänge herüber. Feulner hat gerade für die 1:0-Führung gegen die Hansa aus Rostock gesorgt. Der fastnachtliche Pflichtsieg muss her! Das Stadion ist heute nicht nur rot-weiß, sondern – wie die Hofsänger in ihren lächerlichen Billigseide-Säckchen – rotweißblaugelb. Dazu gibt es sogar den passenden Schal: Bitte sehr! Nicht dass hier nicht jeder schon so einen hätte, aber es ist meist kein 05er Logo drauf, weil die Freundin / Oma / Ehefrau damit handarbeitlich überfordert gewesen wäre.
Derweil hat „Mainzer Urgestein“ (*harhar*) Jörn Andersen verstanden, worum es geht:
„Wir wollen versuchen, alles zu mobilisieren und zu geben für einen Heimsieg. Schließlich sollen die Zuschauer das Stadion glücklich verlassen und Fastnacht mit einem Sieg im Rücken durchfeiern“. Der Mann weiß worum es geht. Jawoll!
Nebenbei wird die Fassenacht mal wieder von allerlei Skandälchen überschattet. Bohnebeitel-Chef und Liebhaber gepflegter Kohlekraftwerkskunst Heinz Meller legt sein fastnachtliches Amt nieder. Die Rosenmontags-Zugnummer 88 – ein Motivwagen des MCV – muss in aller Eile noch umdekoriert werden, weil man sich den Unmut der Ordensfrauen der Diözese Mainz zugezogen hat. Und den von Sabine Flegel
, die zusätzlich anmerkt, dass es seltsamerweise alljährlich im Rosenmontagszug keinerlei Motivwagen mit FDP-Kritik gibt. Bravo, Herr Zugmarschall Schmelz. Saubere Arbeit!
Währenddessen zieht mal wieder Philipp Mißfelder durch die Lande. Diesmal verweigert er nicht Rentnern Hüftprothesen, sondern er macht sich beliebt, indem er Hartz-IV-Empfänger als Säufer und Kettenraucher verunglimpft. Das grandioseste an der Sache ist jedoch seine Richtigstellung hinterher:

„Der ‚Leipziger Volkszeitung‘ sagte Mißfelder, er wolle Hartz-IV-Empfängern keineswegs pauschal Missbrauch unterstellen. ‚Wir brauchen aber eine Diskussion über die Frage, wie mit sozialen Leistungen der Allgemeinheit von den Betroffenen umgegangen wird. Leider kommen sie häufig nicht zielgenau an.‘ Mißfelder schlug vor, statt Geldleistungen vermehrt Gutscheine auszuteilen, zum Beispiel für Schulspeisungen.
Saukomisch! Jetzt muss mir nur noch jemand erklären, was genau daran unter „differenziernde Erklärung“ fällt. Etwa die Tatsache, dass Herr Mißfelder jetzt noch hinzufügt, dass die Hartz-IV-Empfänger nicht nur versoffen und nikotinabhängig, sondern auch noch zu dumm sind, sich von dem bißchen Geld Flatscreens und Opels zu kaufen, um der dank Leuten wie ihm in den letzten Zügen liegenden deutschen Wirtschaft auf die Beine zu helfen? Gutscheine? Von Mediamarkt?! Wenn es nicht so unendlich traurig wäre, könnte man sich wirklich tot lachen…
Ich hoffe, es ist die Titanic, die sich vorsorglich ein paar Varianten einen entsprechenden twitter-Accounts zugelegt hat. Thorsten Schäfer-Gümbel ist ja inzwischen leider wieder in der Versenkung verschwunden. Mit Bierchen und Sekretärin.
Oops! Soeben fiel am Bruchweg der Ausgleich. Ulle-City scheint sich wehren zu wollen. Das ist zwar prinzipiell „ganz groß“, wird aber sicher nicht gern gesehen werden. Dann kann der Mainzer nicht „mit einem Sieg im Rücken durchfeiern“, sondern muss sich kollektiv den Frust runterspülen. Obwohl: Kommt ja eigentlich aufs gleiche heraus: Weck, Worscht & Woi!

Nachtrag von 19:57 Uhr: Der FSV gewinnt doch noch 3:1. ‚Mainzer Fußball – Freude pur!‘