Auld Lang Syne

Den ganzen Morgen gehen mir die Zeilen von – vermutlich bzw. sehr wahrscheinlich – Robert Burns schon durch den Kopf. Kein Wunder! Spätestens seit „When Harry met Sally“ gehört das alte schottische Lied auch zu deutschen Silvesterparties wie „I will survive“ zu Liebeskummer.

„Should auld acquaintance be forgot,
and never brought to mind?
Should auld acquaintance be forgot,
and auld lang syne?“

Ich ziehe ja nun schon seit ein paar Jahren jeweils im letzten Blogpost des Jahres eine Art „Bilanz“. Und ganz ehrlich – ich lese diese Artikel später dann mit Abstand immer wieder selbst ganz gerne. Irgendeinen treuen Leser sollte schließlich jedes Blog haben. Pah!

Jetzt ist das ja hier eigentlich kein „Kochblog“. Also zumindest sehe ich es nicht so, auch wenn allerlei Küchengedöns mittlerweile recht sperrig überall im Weg rumsteht. Das liegt halt in der Natur der Sache, wenn man gerne kocht – und bloggt. #isso

Was das Kochen angeht, habe ich mich heute morgen kurzfristig dazu entschlossen, noch auf den #foodblogbilanz2019-Zug aufzuspringen. Das gibt diesem Posting eine gewisse Struktur (zumindest ist das der Plan!) – und bedeutet ja nicht, dass man nicht trotzdem wild fabulierend vom Thema abkommen kann. Ich habe die Fremd-Bilanzen auf anderen Blogs in den vergangenen Jahren immer gerne gelesen. Jetzt schließe ich mich mal ganz dreist an und folge der diesjährigen Einladung auf Feed me up before you go-go. Tach auch – da bin ich!

1. Was war 2019 dein erfolgreichster Blogartikel?

Sofern man bei diesem Blog von erfolgreichen Artikeln reden kann, war das – völlig überraschend – das hier: „Nach der Hühnersuppe ist vor der Hühnersuppe“ vom 17. Februar 2019. Das liegt tatsächlich weniger an Hühnersuppe als an dem darin enthaltenen Rezept für Bäckerinnenkartoffeln nach Franz Keller. Und das freut mich ganz besonders, zumal Franz Keller mich dereinst auf seinem „Falkenhof“ höchstselbst in das Geheimnis (also zumindest für mich war es bis dahin eines…) einer wirklich guten Fleischsauce einführte – und mir damit völlig neue Welten eröffnete. Auch aus anderen Gründen ist und bleibt er mein persönliches Kochidol.

Den Pommes Boulangère habe ich dafür als Dank gleich mal einen eigenen Pin geschenkt. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

Weiterhin recht beliebt im vergangenen Jahr waren „Vom Zwang, hundert Jahre alt werden zu müssen“, das aus einem aus dem Kanarenurlaub angeschleppten Beutel Gofio resultierte, und „No Drama, Baby, absolutely no Drama!“, ein Synchronbacken-Blogpost mit Partybrötchen.

Meine beliebtesten Rezepte waren die bereits erwähnten Bäckerinnenkartoffeln gefolgt von einem Rezept für Trampó Malloquín und einem für Salada de feijão-frade à portuguesa bzw. portugiesischem Augenbohnensalat – beides „Mitbringsel“ aus Urlauben. In einem Fall aus einem Azorenurlaub in 2014.

 

2. Welche drei deiner eigenen Blogartikel aus diesem Jahr haben dir persönlich am meisten bedeutet?

Erstmal: Irgendwie bedeuten mir alle meine Blogartikel etwas. Ansonsten hätte ich sie schlicht und ergreifend überhaupt nicht geschrieben. Vor allem im nun fast vergangenen Jahr – dem übrigens blogartikelärmsten der mittlerweile mehr als zwölf Jahre! – war das der Fall, da ich beruflich derart beansprucht wurde, dass wirklich nur Zeit zum Schreiben blieb, wenn es zum unüberwindbaren Bedürfnis wurde bzw. etwas für mich Wichtiges zwingend festgehalten werden musste, damit es nicht dem Vergessen anheim fiele.

Und obwohl ich mit sagenhaften zwölf Tagen Resturlaub ins neue Arbeitsjahr wechsele, haben wir die genommenen Tage sehr gewinnbringend investiert. Da ich meist am Folgetag der Rückkehr wieder am Schreibtisch zu sitzen hatte, reiste erstmals ein Laptop mit uns. So konnten Fotobearbeitung und Blogposts bereits im Urlaub geschrieben werden. Das erwies sich als wirklich geniale Maßnahme. Im Nachgang wäre das alles deutlich sparsamer ausgefallen.

So kommt es, dass mir in diesem Jahr die Urlaubsblogposts (alle zusammen hier zu finden) besonders viel bedeuten. Meist haben sie aber auch mit Essen zu tun, sodass trotzdem dieser Aspekt nicht zu kurz kam. Und auch im Nachgang wurde reichlich „Urlaubsessen“ nachgekocht.

Lange Rede, kurzer Sinn! Hier meine drei allerliebsten Blogartikel aus den vergangenen 365 Tagen:

Wir starteten ins Jahr 2019 mit einer Woche auf La Palma. Es war herrlich, mitten im deutschen Winter unter einem Kaktus in der Sonne zu sitzen und Kaffee zu trinken. Der Artikel „Mandelblütenmeer, Salzpfannen & ein Besuch mit Gartenbeute“ enthält das Rezept für ein Tamarillosorbet, das ich bereits zweimal nachgebastelt habe.

Die Karwoche verbrachten wir auf Mallorca. Mein „erstes Mal“ übrigens. Wahrscheinlich war ich bis dahin die letzte Deutsche, die noch nie dort war. Wir hatten eine Unterkunft in Cala d’Or an der Westküste – und ich schwelge gerade in Erinnerungen. Und Quelitos könnte ich auch mal wieder backen: „Unter den Pflastern liegt der Strand“.

Den durch meinen ungnädigen Arbeitgeber stark verkürzten Sommerurlaub verbrachten wir auf Sardinien. Nehmt dies! „Ein Bär, ein Kretin und zwei Eremiten – und ein Malloreddus-Exkurs“ – inklusive Malloreddus-Anleitung.

Und da ich gerade einen dreisten Moment habe, lege ich einfach noch einen vierten Artikel drauf. Im Herbst waren wir zum wiederholten Male auf Gozo – und am vergangenen Wochenende habe ich es endlichendlichendlich geschafft, ein gozitanisches Kaninchen zuzubereiten. Das Kaninchen stammt natürlich nicht von dort, sondern nur die Zubereitungsart.

Für meine Lieblingsinsel also noch eine kleine Zugabe – weil ich wirklich stolz auf das Ergebnis bin: „Nenn nie ‚Fenkata‘ nur ‚Kaninchen‘!“

 

3. Und welche drei aus anderen Blogs haben dich am meisten inspiriert?

Und jetzt wird’s blöd. Gelesen habe ich 2019 nämlich vergleichsweise extrem wenig auf anderen Blogs. Im Prinzip war ich, was soziale Interaktion angeht sowohl auf dem Blog als auch im „echten“ Leben ein völliger Reinfall. Ich hatte schlichtweg kaum Zeit. Klingt nach Ausrede, ist aber die lautere Wahrheit.

Es sollen hier allerdings Ilse mit 356 days,  Astrid aka Arthurs Tochter und Zorra vom Kochtopf nicht unerwähnt bleiben, denn bei ihnen bin ich doch mit schöner Regelmäßigkeit unterwegs gewesen. Mich jetzt auf einzelne Blogartikel festzulegen, würde vermutlich Recherchearbeiten erfordern, die mich noch um Mitternacht vom Sekt abhalten würden. Und das wollen wir ja nicht. Danke jedenfalls an alle drei Damen – einfach dafür, dass es euch und eure Blogs gibt.

 

4. Welches der Rezepte, die du 2019 veröffentlicht hast, hast du selbst am häufigsten gekocht – und warum?

Das Jahr 2019 war kochtechnisch geprägt von unzähligen eilig zusammengekochten Abendessen nach überlangen Arbeitstagen. An dieser Stelle gilt mein ausdrücklicher Dank dem Gatten und seiner Geduld mit mir – nicht nur wegen des Essens.

Aber es gab durchaus auch Highlights. Und Dauerbrenner. Einer davon waren Malloreddus, die ich etliche Male nach dem oben bereits erwähnten Rezept hergestellt habe. Hier möchte ich nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass Pasta, die über die Rückseite einer Reibe gedrückt wird, optisch besonders gelungen ist:

Weiterhin wurde verhältnismäßig viel Brot gebacken. Mehrfach die ebenfalls oben bereits erwähnten Käse-Speck-Oliven-Zupfbrötchen nach einem Plötzblog-Original. Und Ciabatta – seit diesem Jahr auch ausschließlich auf Sauerteigbasis.

Und dann bin ich nach Jahren unverbrüchlicher Treue zu den Three Chimneys‘ „Steamed Mussels in White Wine Broth“ fremdgegangen. Nach dem Gozo-Urlaub machte ich mich an ein neues Rezept. Mit Tomaten. Und es wurde ein voller Erfolg. Mehrfach verprobt sind mittlerweile die „Muscheln in Tomatensauce“, die sich hier finden: „Korz vor knackisch!“

 

Ganz untätig war ich also nicht. Allerdings gibt es hier eher selten Wiederholungen auf dem Speiseplan – abgesehen von des Gatten Linseneintopf und der winterlichen Hühnersuppe. Aber die essen wir ja nicht erst seit diesem Jahr regelmäßig.

 

5. Welches Koch- oder Blog-Problem hat dich 2019 beschäftigt? Und hast du es gelöst?

Anfang des Jahres habe ich es fast geschafft, mein größtes Problem – das Nachbebildern von Blogposts aus etwa neun Jahren! – in den Griff zu bekommen. Es fehlen jetzt noch etwa 14 Monate in 2008 und 2009, wenn ich das jetzt recht erinnere. Im Prinzip ist das aber eine Lebensaufgabe, da sich durch eine Mischung aus Unwissenheit und Leichtsinn meinerseits ein zusätzliches Problem aufgetan hat: der Wechsel des Rezepte-Plugins.

An sich ist das kein Problem. Es gibt eine Auto-Import-Funktion. Das Problem ist dadurch entstanden, dass ich bei etlichen Rezepten, die ich anfangs testweise verwendet hatte, die „Parents“ der Rezepte getötet habe. Da muss ich dann wohl auch demnächst mal dringend ran. Und dann muss der Rest auch noch importiert werden.

Mt anderen Worten: Gelöst habe ich kein einziges meiner Blog-Probleme. Eins habe ich in 2019 allerdings nahezu – auch dank eines gut sortierten Fotoarchivs – in den Griff bekommen. Das andere habe ich in diesem Jahr erst ausgelöst – und noch nicht ernsthaft in Angriff genommen.

Totalversagen in diesem Punkt also eigentlich… Aber ich habe Hoffnung für 2020. Da wird nämlich alles besser! Glaube ich…

 

6. Was war deine größte kulinarische Neuentdeckung dieses Jahres – welches Lebensmittel, welches Rezept, welche Küchentechnik, welcher Geschmack hat dir eine völlig neue Welt eröffnet?

Lebensmittel, die mir erstmals auf die Arbeitsplatte gekommen sind, stammten meist aus Urlauben: Chayote, Tamarillo, Gofio, Myrte, Djerbabohnen, neue Tomaten- und Paprikasorten, Kiwano, schwarzer Knoblauch und etliches mehr. Damit wurde jeweils lustig experimentiert. Ich liebe es, ein Essen um eine interessante Zutat herum zu bauen.

Eine völlig neue Welt hat mir dieses Rezept nicht gerade eröffnet, aber es hat mich Ausdauer und Selbstkontrolle geleert: Pastizzi. Um genau zu sein maltesische Pastizzi tal-irkotta & tal-piżelli. Allein den Teig zu beherrschen, hat mich fast meine Ehe gekostet. Ähnlich ging es mir mit maltesischem Brot. Aber da bin ich auch noch nicht ganz durch mit. Wir haben noch eine Rechnung offen, Ħobż!

Auch fabelhaft: Ein Rezept für Paprikacoulis von Léa Linster. Sensationell! Dazu habe ich anschließend eine Art Grundstock eingekocht, der bereits häufig als Saucenbasis ran durfte.

Zum Thema Küchentechnik fällt mir als erstes die Fermentation ein. Ja. Die ist dann jetzt endlich auch bei mir angekommen. Und die Unmengen von Meerrettich, die ich erst aus dem Beet gezogen, anschließend mit Taucherbrille gehäckselt und schließlich eingelegt habe, waren ein echtes Highlight in 2019. Und das in etlichen Saucen.

Nicht zu vergessen das Wursten! Nachdem ich Anfang des Jahres mit Bärlauchbratwurst gestartet war, legte ich im Spätsommer nochmal mit anderen Kräutern nach. Fremdwürste waren in diesem Haushalt in 2019 praktisch nicht mehr existent.

Geschmack?! Salzzitronen! Noch etwas, das erst spät den Weg zu mir gefunden hat. Was für ein herrlicher Geschmack! Und ich habe noch ein paar selbst eingelegte Gläschen im Vorrat. Und Tap de Cortí! Hammer! Und allerlei Teller bei der Küchenparty in der Villa Merton in Frankfurt. Unser persönlicher Favorit war damals ein Himbeer-Paprika-Sorbet – damals zu Ente – gewesen, das ich auch für Weihnachten zu Schweinebäckchen nachgebastelt habe.

 

7. Was war der beste (oder lustigste) Suchbegriff, über den Besucher auf deinen Blog gekommen sind?

Bemerkenswert und wenig schmeichelhaft: „Gammelige Frikadelle“ – danke auch! Dann: „Apfelkrotz“, „Fleischteller mit Gehirn“ und „Kuh in der Pfanne“. Weiterhin: „Eurovision Song Contest Polinnen Wäscherinnen“, „Jürgen Hingsen Ehefrau erste“ und „Kain schlug seinen Bruder Abel mit der Gabel auf den Schnabel“.

Der Kenner bemerkt es natürlich sofort: Es handelt sich hier um ein Gourmet-Blog mit Bildungsanspruch.

Um nicht zu verzweifeln, halte ich mich an einen weiteren Suchbegriff: „Immer noch nicht ganz unten“. Nun denn! Glück auf!

 

8. Was wünschst du dir und deinem Blog für 2020?

Wo soll ich anfangen?! Wie lange darf es dauern?! Kleiner Scherz.

Eigentlich wünsche ich meinem Blog und mir nur eins: mehr Zeit füreinander. Ich glaube, das würde uns beiden gut tun – vor allem aber dem Blog.

Da ich das ja hier aber tatsächlich nur zu meinem Privatvergnügen tue, und damit weder nach Reichtümern noch nach Distinktionsgewinnen trachte, ist das alles ja nur halb so schlimm, wie es sich gerade anfühlt. Frage Nummer fünf lässt mir an dieser Stelle allerdings gerade keine Ruhe…

Wie auch immer: Ich glaube, ich mache hier auch in 2020 weiter. Weil es mir Spaß macht. Und ich stecke genau so viel echte „Arbeit“ hinein, dass es sich immer noch wie Spaß und nicht wie Arbeit anfühlt. So ist das. Punkt.

Nichtsdestotrotz freuen wir beide – sowohl das Blog als auch ich –  uns über natürlich über Leser. Und Kommentare. Danke an dieser Stelle an alle, die uns auch im zähen und artikelarmen 2019 die Treue gehalten haben.  Das wollte ich noch loswerden.

„We twa hae run about the braes,
and pu’d the gowans fine;
But we’ve wander’d mony a weary foot,
sin auld lang syne.

We twa hae paidl’d i‘ the burn,
frae morning sun till dine;
But seas between us braid hae roar’d
sin auld lang syne.
And there’s a hand, my trusty fiere!
and gie’s a hand o‘ thine!“
Mehr Jahresbilanzen gefällig? Bitte sehr:

17 Kommentare

    1. gleichfalls! =)
      meine geduld hatte dann allerdings auch irgendwann ein ende erreicht. vielleicht sollte ich das als erstes im neuen jahr mal endlich zu ende bringen. ein paar tage urlaub wären gut, aber den gibt’s erst an ostern 😀

  1. Ich lese hier regelmäßig und sehr gerne. Die tollen Reiseberichte und die Rezepte etc. Macht großen Spaß und ist wirklich bereichernd. Herzlichen Dank!
    Ein gesundes neues Jahr wünsche ich Ihnen.
    Beste Grüße aus Bielefeld von Bärbel Heidemann-Flottemesch.

  2. Hm, dann bin ich jetzt wohl ganz offiziell die letzte Deutsche, die noch nie auf Mallorca war…Danke für den schönen Rückblick. Ich bewundere Deine kulinarische Abenteuerlust sehr. Und Deine Überschriften sind einfach immer Hammer! Ich wünsche Dir, dass Dir der Spaß am Bloggen auch 2020 erhalten bleibt. Und natürlich, dass Du bald wieder mehr Zeit hast.
    Herzlichst, Conny

    1. … und dass ich es vielleicht auch endlich mal schaffe, in deine „verstaubten klassiker“ einzusteigen. ich weiß gar nicht, wie oft das im vergangenen jahr trotz fester vorsätze im letzten moment gescheitert ist! =)

    1. mein erstes großes abentuer ist gerade in vollem gange. ich fasse alle blogartikel aus den vergangenen jahren einzeln an, formatiere nach, bebildere nach und korrigiere links. nach zwei tagen vor dem rechner kann ich sagen: eine lebensaufgabe… 😀
      und: danke auch an dich – und das synchronbacken. ich mag es! 😀

  3. Ich war übrigens auch noch nie in Mallorca. Bin Deutsche.
    Und freu mich sehr, dass du meinen Blog gerne liest. Wie du weißt, fühle ich mich bei dir auch hervorragend unterhalten. Und staunend informiert.

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